Autor Thema: Grazer U-Bahn?  (Gelesen 8444 mal)

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Re: Grazer U-Bahn?
« Antwort #105 am: 23. Februar 2021, 08:06:11 »
Diese Wege sind aber für den Grazer Otto Normalfahrgast nicht typisch.
Welche? Die in Zick-Zack? Ja. Sonst: HBF-Uni bzw. HBF-Hauptplatz? Was wäre typischer als das? Ok, Jakominiplatz-LKH vielleicht noch.

––
Ergänzung: ich habe mir erlaubt auf einer Karte, basierend auf einem alten Netzplan von UrbanRail.net, die bisherigen Netzänderungen und aktuellen Ausbauten einzutragen sowie die geplanten Strab-Ausbauten, die 2 Metro-Linien und vor allem die in der Metro-Studie angeführten Stellen im Strab-Netz, die bis 2030 hoffnungslos überlastet sein werden. Wenn man genau schaut, dann wird sich der eine oder andere Fragen, warum man die Metro dann nicht dort plant, wo das Strab-Netz überlastet ist, sondern dort, wo die Strab überlastete Buslinien ablösen soll. Tja, gute Frage - es wird den Experten doch wohl nicht etwa ein Fehler unterlaufen sein?  >:D  (bestimmt nicht, denn das Ziel, dass die Metro den Netzausbau obligat macht, das wurde ja demonstriert, praktischer Nutzen war ja nie Vater des Gedankens....)
Ok, mit etwas Kreativität würde der Ast in der Leonhardstraße von der Metro profitieren, so fair muss man sein.

An dem Plan sieht man vor allem eines: Die eine Linie ist da, um den Tram-Ausbau nicht machen zu müssen. Die andere Linie ist einfach nur dem Kopf eines völlig Irrsinnigen entsprungen.
Ich verstehe das Konzept dahinter nicht und bin generell dagegen.

KSW

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Re: Grazer U-Bahn?
« Antwort #106 am: 23. Februar 2021, 08:23:50 »
Treffend formuliert  ;D
Es erschließt sich mir auch nicht, wie man damit die Pendlerproblematik lösen will, bzw. mit welchem mathematischen Kunstgriffen bei der Straßenbahn ein Plus von 55.000 Fahrgästen den Modal Split um 2%, bei der U-Bahn ein Plus von 130.000 Fahrgästen den Modal Split aber um 9% verbessern soll. Die Anzahl aller zurückgelegten Wege sollte doch in beiden Fällen gleich sein?

Zengermoos

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Re: Grazer U-Bahn?
« Antwort #107 am: 23. Februar 2021, 11:47:04 »
Der Zickzack bewirkt außerdem noch, dass außer M2-Süd -> M1-Ost keine Umsteigeverbindung innerhalb der U-Bahn wirklich Sinn ergibt. Schließlich führt der M2-Nordast - dank des 180°-Bogens der M1 - über 4 Stationen annähernd parallel zu M1-West und 2 Stationen lang parallel zu M1-Ost.
Fröbelpark-Hbf würde ich jedenfalls eher zu Fuß gehen, statt mit Kirche ums Kreuz U-Bahn zu fahren.

Bhf_Breitensee

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Re: Grazer U-Bahn?
« Antwort #108 am: 23. Februar 2021, 20:38:26 »
Ist es richtig, dass Graz 1/3 der Länge von Wien haben möchte? Graz hat aber vermutlich nicht ein Drittel der Einwohner Wiens.

KSW

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Re: Grazer U-Bahn?
« Antwort #109 am: 24. Februar 2021, 09:59:06 »
Ist es richtig, dass Graz 1/3 der Länge von Wien haben möchte? Graz hat aber vermutlich nicht ein Drittel der Einwohner Wiens.
Ja, die 25km wären etwas weniger als 1/3 - wobei es, wenn es dazu kommen sollte, dabei nicht bleiben kann, in der derzeit geplanten Variante wäre das komplett sinnlos. Angeblich gibt es ja Ideen für eine M3, die dann zumindest den derzeit komplett ausgesparten Bereich Andritz und St. Peter/Liebenau erschließen würde, immerhin jene Bereiche, in denen die Straßenbahn jetzt schon die Kapazitätsgrenze übersprungen hat (macht ja auch Sinn viel Geld zu investieren, aber nicht dort wo es am dringendsten wäre.... :P).
Bloß, solange man sich nicht Richtung Umland bewegt, bringt das halt alles nichts - die Pendler würden die Wagen füllen, die kurzen innerstädtischen Wege erledigt man wohl anders.
Auf Wien umgemünzt wäre dieses U-Bahn System ja etwa so wie wenn bei U3 am Westbahnhof und Wien Mitte, U1 am Praterstern und HBF Schluss wäre und die Linien dazwischen wilde Schlangenlinien dazwischen, wobei die Straßenbahn die Prater-/Rotenturm-/Kärnterstraße störungsfrei als direkte Verbindung fahren würde.
Das würde eher auch keine Pendler zusätzlich auf den ÖV bringen, weil man zuerst mit dem PKW mitten ins Zentrum müsste.

Katana

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Re: Grazer U-Bahn?
« Antwort #110 am: Gestern um 09:49:42 »
Anscheinend bin ich hier der einzige User, der Die Presse liest

Aus https://www.diepresse.com/5946375/ab-wann-rechnet-sich-eine-u-bahn?
Zitat
Ab wann rechnet sich eine U-Bahn?
05.03.2021 um 13:01
von Erich Kocina

Wien. Zwei Linien sollen es werden. 11,9 Kilometer lang die M1, 13,5 Kilometer die M2. Gemeinsam sollen sie 27 Haltestellen haben, fahren sollen sie vollautomatisiert und bis zu 200.000 Menschen pro Tag transportieren. Die kürzlich vorgestellten Pläne für ein Grazer U-Bahn-Netz klingen ambitioniert. Und tatsächlich stellt sich die Frage – zahlt sich das für die steirische Landeshauptstadt überhaupt aus?

1. Ist Graz groß genug, dass sich eine U-Bahn auszahlt?

Nimmt man Graz mit knapp 300.000 Einwohnern als Maßstab, gibt es durchaus kleinere Städte mit U-Bahn. Lausanne in der Schweiz etwa hat rund 139.000 Einwohner und eine Metrolinie mit 14 Stationen auf 5,9 Kilometern. Auch das italienische Brescia mit rund 200.000 und das französische Rennes mit rund 217.000 Einwohnern haben U-Bahn-Netze. Selbst Fürth in Deutschland mit knapp 130.000 Einwohnern hat U-Bahn-Anschluss – im Verbund mit Nürnberg, das rund 520.000 Einwohner hat. [...]

2. Welche Parameter entscheiden, ob eine U-Bahn sinnvoll ist?

Der eigentliche Parameter, sagt Peter Veit, ist die erwartbare Nachfrage. Die sei wiederum abhängig von der Fläche und der Bevölkerungsdichte, so der Leiter des Instituts für Eisenbahnwesen und Verkehrswirtschaft an der TU Graz, der an den Planungen für das Grazer Metroprojekt mitgewirkt hat. Aber natürlich spielen auch die Verteilung der Stationen und die Distanzen dazwischen eine Rolle. Im Schnitt, so Veit, betrage der Abstand zwischen zwei Stationen 800 bis 1000 Meter – der größte am westlichen Ende ist zwei Kilometer, der kleinste etwa 500 Meter. (Zum Vergleich – der kürzeste Stationsabstand in der Wiener U-Bahn beträgt 400, der längste 1580 Meter.)

[...] International gelte der Richtwert, dass man in der Spitzenstunde in eine Richtung über 4000 Fahrgäste befördern müsse, damit es sich rentiert. [...]

3. Aber fiel nicht eine frühere Studie negativ zu der U-Bahn aus?

[...] Bei der neuen Machbarkeitsstudie kamen einige neue Parameter hinzu. So ist zum Ersten die Stadt seither gewachsen. Zum Zweiten plant man eine von den Dimensionen deutlich kleinere U-Bahn – so sollen zunächst Einfachgarnituren mit 30 Metern Länge unterwegs sein, die 220 Fahrgäste fassen. [...] Dafür sollen die kleineren Züge in sehr dichten Intervallen fahren – zu Stoßzeiten alle zweieinhalb Minuten. Das wiederum soll möglich sein, weil die neue U-Bahn fahrerlos unterwegs sein soll. Damit könne man auch flexibel auf die Nachfrage reagieren. Und kostengünstig sei es auch, weil keine Fahrer notwendig sind.
[...]

4. Ließe sich das alles nicht auch mit mehr Straßenbahnen lösen?

Das ist einer der Hauptkritikpunkte am U-Bahn-Projekt. [...] Die Planer rechnen aber damit, dass wegen der Metro mehr Menschen auf den öffentlichen Verkehr umsteigen – und dass damit der Anteil des Autos am Modal Split um zwölf Prozent sinken werde. Die Straßenbahn soll dabei auch eine Rolle spielen – bestehende Verbindungen sollen nicht eingestellt werden. Sie soll künftig vor allem als Zubringer zur Metro dienen.
[...]

5. Und wie realistisch ist es jetzt, dass die Grazer U-Bahn wirklich kommt?

[...]


95B

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Re: Grazer U-Bahn?
« Antwort #111 am: Gestern um 10:01:28 »
Anscheinend bin ich hier der einzige User, der Die Presse liest

Nachvollziehbar, da es sich um entgeltpflichtige Inhalte handelt.
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!
... brrrr, Klumpert!

KSW

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Re: Grazer U-Bahn?
« Antwort #112 am: Gestern um 10:28:41 »
4. Ließe sich das alles nicht auch mit mehr Straßenbahnen lösen?

Das ist einer der Hauptkritikpunkte am U-Bahn-Projekt. [...] Die Planer rechnen aber damit, dass wegen der Metro mehr Menschen auf den öffentlichen Verkehr umsteigen – und dass damit der Anteil des Autos am Modal Split um zwölf Prozent sinken werde. Die Straßenbahn soll dabei auch eine Rolle spielen – bestehende Verbindungen sollen nicht eingestellt werden. Sie soll künftig vor allem als Zubringer zur Metro dienen.
[...]


Alleine dieser Punkt zeigt doch, wie hirnrissig die Planungen sind: Da werden zusätzliche Verbindungen geschaffen in Gebieten, die an sich schon gut erschlossen sind, wo es an sich aufgrund des vorhandenen Angebots keinerlei Vorbehalte gegen die Nutzung des ÖV geben dürfte, und man meint, damit 41% mehr Fahrgäste am Tag befördern zu können.
Dafür wird das bestehende Netz weiterhin nicht ausgebaut, es soll aber diese 41% zusätzliche Fahrgäste als Zubringer zuführen, obwohl die Kapazitäten jetzt schon erschöpft sind. Nun, finde den Fehler?

Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass die U5 zum Frankhplatz den Modal Split in Wien wesentlich verändern wird, und selbigen Verkehrswert würde diese Streckenführung in Graz haben.
Die Holding Graz verweist auf die besonders wichtigen Haltestellen, die die Metro ansteuern soll:
Welche sind besonders wichtige Stationen?

Jakominiplatz, Hauptbahnhof, Uni, LKH, Griesplatz, Lendplatz, Geidorfplatz, Felix-Dahn-Platz.

Ok, die Knotenpunkte, das LKH, die Uni - alles verständlich (wobei: bei der Anbindung der Uni wurde bislang immer argumentiert, dass dies mit der Straßenbahn, obwohl operativ durch Umlegung der Linie 1 kostenneutral, nicht zu rechtfertigen sei, da die Studenten 1/3 des Jahres Ferien haben und daher eine solche Infrastruktur unnütz sei), aber Felix Dahn Platz? Jener Felix Dahn Platz, der bislang in den 145 Jahren ÖV in Graz noch nie mit Bus oder Tram angebunden war?  ::)
Muss echt wichtig sein, wenn man ihn bislang immer übersehen hat..... (ja, die "Neue Technik" befindet sich in der Nähe, ein Wohnviertel aus der Gründerzeit ebenso, und die Schule Sacre Coeur - aber auch die Haltestellen "Mandellstraße" der Linie 3 sowie "Neue Technik" der Linie 6 in unter 5 Min Fußweg).

Fakt ist halt, dass all jene Bereiche, in denen es mit der ÖV-Anbindung ordentlich klemmt, nicht berührt werden, dafür aber die Metro dort fahren soll, wo es schon ein gutes Angebot gibt.

U4

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Re: Grazer U-Bahn?
« Antwort #113 am: Gestern um 11:12:30 »
Heute große mehrseitige Kurierbeilage über Grazer Ubahn  :fp:
🥒 Haltestelle NEU -  die schlechteste Version seit Beginn der Haltestellentafeln

Tunafish

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Re: Grazer U-Bahn?
« Antwort #114 am: Gestern um 15:25:18 »
Die Straßenbahn in einer doch eher kleinen Stadt wie Graz hauptsächlich als Metro-Zubringer zu sehen scheint mir ein sehr eigenartiges Netzplanungskonzept. Umsteigezwänge machen öffentliche Verkehrsmittel selten attraktiver.

hema

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Re: Grazer U-Bahn?
« Antwort #115 am: Gestern um 15:43:07 »
Eine U-Bahn rechnet sich, rein wirtschaftlich, nie! Unterm Strich ist die Beförderung eines Fahrgastes mit der U-Bahn sauteuer, selbst eine Taxi-Fahrt wäre viel billiger. Im Taxi würde man sogar allein sitzen und echt Haus-Haus transportiert werden, in der U-Bahn steht man oft dicht eingekeilt unter anderen Leuten, muss vielleicht umsteigen und lange Wege hatschen!

Lediglich raumsparender ist sie, nirgends wäre natürlich so viel Verkehrsfläche in einer Stadt, damit ausreichen viele Taxis rumkurven könnten!   >:D
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

44er

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Re: Grazer U-Bahn?
« Antwort #116 am: Gestern um 16:18:06 »
Ich möchte nur nochmals betonen, dass der größte Nachteil dieses geplanten U-Bahnsystems in der fehlenden Kompatibilität mit anderen vorhanden Bahnsystemen liegt, wegen der entstehenden Umsteigzwänge.

Straßenbahn Graz

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Re: Grazer U-Bahn?
« Antwort #117 am: Gestern um 17:06:54 »
Ich möchte nur nochmals betonen, dass der größte Nachteil dieses geplanten U-Bahnsystems in der fehlenden Kompatibilität mit anderen vorhanden Bahnsystemen liegt, wegen der entstehenden Umsteigzwänge.

So wie doch bei fast jeder U-Bahn auch.

Katana

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Re: Grazer U-Bahn?
« Antwort #118 am: Gestern um 18:46:03 »
Ich möchte nur nochmals betonen, dass der größte Nachteil dieses geplanten U-Bahnsystems in der fehlenden Kompatibilität mit anderen vorhanden Bahnsystemen liegt, wegen der entstehenden Umsteigzwänge.

So wie doch bei fast jeder U-Bahn auch.
Bei welcher nicht?

tramufo

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Re: Grazer U-Bahn?
« Antwort #119 am: Gestern um 20:37:28 »
Siehe Durchbindung der überwiegenden Zahl der Linien der U-Bahn Tokio auf Vorortbahnen an beiden Endstellen. Dieser Vorteil für die Fahrgäste wird jedoch mit unterschiedlichen Spurweiten und Stromystemen bei der U-Bahn erkauft.