Autor Thema: Ein neuer Tiefpunkt der Stadtgestaltung: die ehemalige Wasserwelt  (Gelesen 11790 mal)

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Erinnert man sich noch an die "Wasserwelt"? Diese postmoderne Brunnensammlung ist mit dem Bau der U3 und des Meiselmarktes entstanden. Mir haben nicht alle Brunnen gefallen, aber es war ein doch recht einzigartiger, gelungener Bereich, der Spaß gemacht hat. Das viele Wasser entsprach genau den Forderungen, die an die Stadt in Zeiten des Klimawandels gestellt werden. Nun wird das umgestaltet, und das Ergebnis ist, wie in Wien üblich, entsetzlich. In der "Wasserwelt" produziert der armseligste Brunnen der Stadt ein Rinnsal, und Kinder spielen ohne Sonnenschutz auf kargem Stein mit einer Handvoll kleiner Wasserdüsen.

Natürlich, die Anlage ist in die Jahre hekommen, aber eine Renovierung wäre 100mal besser gewesen als die Zerstörung.

Am Ende der Fotostrecke ein paar Vergleichsbilder von Anderswo.
Harald A. Jahn, www.tramway.at

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Re: Ein neuer Tiefpunkt der Stadtgestaltung: die ehemalige Wasserwelt
« Antwort #1 am: 07. Juli 2017, 11:56:08 »
Drückt der Architekt mit den Quietschenten auf dem Rendering zwischen den Zeilen aus, was er von der Sache hält? :D
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!
... brrrr, Klumpert!

Bus

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Re: Ein neuer Tiefpunkt der Stadtgestaltung: die ehemalige Wasserwelt
« Antwort #2 am: 07. Juli 2017, 12:36:56 »
Ist doch eh schön, wäre was für die Sendung "9 Plätze, 9 Schätze"  >:D

moszkva tér

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Re: Ein neuer Tiefpunkt der Stadtgestaltung: die ehemalige Wasserwelt
« Antwort #3 am: 07. Juli 2017, 12:51:04 »
Die Wasserwelt war natürlich auch eine schöne Hommage an den alten Wasserbehälter, der nun den Meiselmarkt beheimatet. Sozusagen eine Hommage an die Hochquellleitung. Nun gibt es keine thematische Klammer mehr.

Zitat
Kinder spielen ohne Sonnenschutz auf kargem Stein mit einer Handvoll kleiner Wasserdüsen.
Es ist in Wien leider üblich geworden, bei Neubauprojekten weitgehend auf natürliche Vegetation zu verzichten. In den öffentlich zugänglichen Erholungsräumen vieler Neubauprojekte hat man einen Spielplatz - das heißt Spielplatz ist eigentlich übertrieben, es handelt sich zumeist nur um ein kombiniertes Spielgerät als Klettergerüst, Schaukel und Rutsche - auf diesen Gummihartplatz gestellt, wie man ihn von Sportplätzen kennt. Der ist leichter zu reinigen und zu pflegen als echtes Gras, dafür wird er grün eingefärbt. Garniert wird das ganze noch mit einigen Dutzend Verbotsschildern, bezüglich Fußball, Fahrrad, Roller, Skateboard, Rollschuhe, Herumsitzen, Essen, Trinken, Lärm am Wochenende und am Abend usw. Sehr sehr unsympathisch, das Ganze.  :ugvm:

Beispiel: Siehe die Neubausiedlung im 2. Bezirk zwischen Rembrandtstraße, Oberer Donaustraße und Oberer Augartenstraße. Hab jetzt leider kein Foto dazu.

Tramwayhüttl

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Re: Ein neuer Tiefpunkt der Stadtgestaltung: die ehemalige Wasserwelt
« Antwort #4 am: 07. Juli 2017, 13:20:08 »
Kapiert man in Wien nicht dass dieser Betonbrutalismus am schnellsten von allen "Gestaltungsmöglichkeiten" absandelt? Siehe Christian-Broda-Platz. Dort hätte ein Park hingehört, da es im 6. sowieso kaum Grünflächen gibt. Und ein Wachzimmer daneben am besten auch gleich.
Bitte seien Sie achtsam! Zwischen Ihren Ohren befindet sich nichts als Luft.

tramway.at

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Re: Ein neuer Tiefpunkt der Stadtgestaltung: die ehemalige Wasserwelt
« Antwort #5 am: 07. Juli 2017, 13:48:56 »
Als jemand, der viel in Europas Städten unterwegs ist und überall die wunderbar aufregenden Plätze bewundert, die sich zu echte städtischen Wohnzimmern entwickeln, macht mich sowas schlicht wütend. Diese Gleichgültigkeit der fantasielosen MAs, die Unzufriedenheit, die aus dieser Lieblosigkeit erwächst (auch wenn die Menschen es mangels Vergleichsmöglichkeiten nicht benennen können) - und das überall in der Stadt, bei JEDEM Neubauprojekt. Zum Kotzen.
Harald A. Jahn, www.tramway.at

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Re: Ein neuer Tiefpunkt der Stadtgestaltung: die ehemalige Wasserwelt
« Antwort #6 am: 07. Juli 2017, 13:57:26 »
Tragisch ist eher, dass sich das Betonklumpert enorm aufheizt. Und das macht Wien immer heißer.

Klingelfee

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Re: Ein neuer Tiefpunkt der Stadtgestaltung: die ehemalige Wasserwelt
« Antwort #7 am: 07. Juli 2017, 14:01:42 »
Als jemand, der viel in Europas Städten unterwegs ist und überall die wunderbar aufregenden Plätze bewundert, die sich zu echte städtischen Wohnzimmern entwickeln, macht mich sowas schlicht wütend. Diese Gleichgültigkeit der fantasielosen MAs, die Unzufriedenheit, die aus dieser Lieblosigkeit erwächst (auch wenn die Menschen es mangels Vergleichsmöglichkeiten nicht benennen können) - und das überall in der Stadt, bei JEDEM Neubauprojekt. Zum Kotzen.

Ich würde da nicht nur die Stadtverwaltung und Stadtplaner, sondern auch die Künstler, die solche Projekte einreichen.
Bitte meine Kommentare nicht immer als Ausrede für die WL ansehen

öffi-dude

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Re: Ein neuer Tiefpunkt der Stadtgestaltung: die ehemalige Wasserwelt
« Antwort #8 am: 07. Juli 2017, 14:04:02 »
Schenkst uns ein Verb?

fastpage

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Re: Ein neuer Tiefpunkt der Stadtgestaltung: die ehemalige Wasserwelt
« Antwort #9 am: 07. Juli 2017, 14:05:08 »
Ich habe letztens im Kongressbad den Spielplatz bewundert. Ganztägig in der Sonne und Kinder können dort nicht spielen ohne sich Verbrennungen an den Füssen zuzuziehen da der Gummifußboden sich so aufheizt.
Jetzt hat man hilflos paar Bleche am Klettergerüst montiert um zumindest paar Stellen mit Schatten zu versehen neben der Weisung an die Bademeister, den Boden regelmäßig mit Wasser abzukühlen.
Einen großen, schattenspendenden Baum hinzupflanzen kostet offensichtlich. :fp: :fp:

Von daher wundert mich diese Umgestaltung absolut nicht, manchmal gewinne ich den Eindruck: Ein Magistrat wischt dem anderen eins aus auf Kosten der Allgemeinheit.

oldtimer

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Re: Ein neuer Tiefpunkt der Stadtgestaltung: die ehemalige Wasserwelt
« Antwort #10 am: 07. Juli 2017, 14:20:20 »
In Nizza gibt es inmitten der Stadt den Miroir d'eau, einen knapp 3000m2 großen Wasserspielplatz für Kinder und Junggebliebene.

Wie man auf den Fotos sieht, wird soetwas allerdings nicht von der Bevölkerung angenommen und daher besteht überhaupt keine Notwendigkeit soetwas auch in Zukunft einzuplanen oder gar zu modernisieren.
"Besetzt - bitte nicht mehr zusteigen, der Zug wird abgefertigt!"

haidi

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Re: Ein neuer Tiefpunkt der Stadtgestaltung: die ehemalige Wasserwelt
« Antwort #11 am: 07. Juli 2017, 14:54:38 »
Ich würde da nicht nur die Stadtverwaltung und Stadtplaner, sondern auch die Künstler, die solche Projekte einreichen.
Schenkst uns ein Verb?
Kann er nicht - sonst sitzt er wegen gefährlicher Drohung
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

Tramwaycafe

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Re: Ein neuer Tiefpunkt der Stadtgestaltung: die ehemalige Wasserwelt
« Antwort #12 am: 10. Juli 2017, 21:33:34 »
Wie man auf den Fotos sieht, wird soetwas allerdings nicht von der Bevölkerung angenommen und daher besteht überhaupt keine Notwendigkeit soetwas auch in Zukunft einzuplanen oder gar zu modernisieren.
Auch in Budapest, wo man ansonsten das Thema Parlament sehr ernst nimmt, kommt derlei ganz ganz schlecht an, wie diese Aufnahme vor ebendiesem zeigt…

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Re: Ein neuer Tiefpunkt der Stadtgestaltung: die ehemalige Wasserwelt
« Antwort #13 am: 11. Juli 2017, 01:06:01 »
In der "Wasserwelt" produziert der armseligste Brunnen der Stadt ein Rinnsal, und Kinder spielen ohne Sonnenschutz auf kargem Stein mit einer Handvoll kleiner Wasserdüsen.
Das "Rinnsal" schaut eher aus, als ob unter der Bank, wo es hervortritt, ein Rohr undicht wäre. ::)

Am Ende der Fotostrecke ein paar Vergleichsbilder von Anderswo.
Was steht beim Parc Citroën auf dem Schild unter: "ACCES AUX JETS D'EAU INTERDIT"? ???

Mein Beispiel kommt aus Genf: Vor dem "Palais des Nations" (die "UNO-City" von Genf) gibt es einen Platz, der quasi im Zentrum des UNO-Viertels liegt, auch hier gibt es Wasserspiele, die an heißen Sommertagen begehrt sind (obwohl der Genfersee keine 10 Minuten zu Fuß entfernt ist). Die Fotos stammen aus den Jahren 2008 und 2013. Das vierte Bild zeigt einen Zug der historischen CGTE neben einem Tourenzug der Linie 15, besagter Platz befindet sich links hinter der grauen Metallhütte.
"das korrupteste Nest auf dem weiten Erdenrund"
Mark Twain über die Wienerstadt.

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Re: Ein neuer Tiefpunkt der Stadtgestaltung: die ehemalige Wasserwelt
« Antwort #14 am: 11. Juli 2017, 09:52:50 »
In der "Wasserwelt" produziert der armseligste Brunnen der Stadt ein Rinnsal, und Kinder spielen ohne Sonnenschutz auf kargem Stein mit einer Handvoll kleiner Wasserdüsen.
Das "Rinnsal" schaut eher aus, als ob unter der Bank, wo es hervortritt, ein Rohr undicht wäre. ::)
Oder grad vorher ein Sandhase drauf gesessen wäre.
Mit uns kommst du sicher... zu spät.