Autor Thema: Linienkennfarben Grundnetz  (Gelesen 3336 mal)

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Linienkennfarben Grundnetz
« am: 09. November 2018, 07:03:58 »
Ich weiß, das Thema wurde da und dort hierzuforum ebenso, wie auch in der Fotokiste thematisiert. Bisher fand ich noch keine befriedigende Antwort, im betreffenden Wikipediaartikel zur elek. StB finde ich im Abschnitt Linienkennfarben irgendwie nix Belegtes, sondern schlichtweg Eigentheorien bzw. Schlußfolgerungen des Autors, wie sich die Farben entwickelt haben.

Gibt es irgendeinen Grund, warum der erweiterte Probebetrieb der (U)4 am 8. Mai 1976 violett begonnen hat, die Linienpläne in den Stadtbahnwagen nur wenige Wochen später, Ende Mai, jedoch auf die Endfarbe grün für die U4 ausgefertigt wurden, die Station Friedensbrücke aber jedenfalls noch bis mindestens Oktober 1977 (dank Fotos von TARS631 belegt, hierzuforum mehrfach eingebunden) die lila Stationsbezeichnungstafeln hatte?

Ich meine, es war doch schon lange vor der Aufnahme des erweiterten 4-Probebetriebs das Konzept der Stationen mit ihrem einheitlichen Design und der roten Farbe für die U1 (wie ich erinnerlich auch entsprechende Fotos von tramway.at gesehen habe) in Umsetzung. Es erscheint mir irgendwie undenkbar, dass für das Grundnetz neben dem Rot für die U1 das Grün für die U4 und das Lila für die U2 zu dem Zeitpunkt nicht bereits längst feststand? Ob die linke Hand nicht gewusst hat, was die rechte Hand tut?

Und damit ich neben Fragen auch etwas einbringen kann:

Erfunden hat das U-Bahn-Leitsystem und die grüne Farbgebung übrigens der (mir persönlich bekannte) Grafiker Werner Sramek, wie in https://www.meinbezirk.at/margareten/c-lokales/margaretner-urgestein-gestaltete-u-Bahn-mit_a659807
zu lesen:
Frage: "Von Ihnen stammt auch das Wiener U-Bahn-Leitsystem."
Sramek: "Richtig. Meine Nerven lagen damals blank. In der Nacht vor der Eröffnung und Präsentation bin ich zu jeder Station gefahren und habe überprüft, ob die Schilder auch alle in Ordnung sind."
(Bilduntertitelung zu Bild 3 auch: "Die U1 in rot, die U4 in grün - ein Konzept, das uns täglich begleitet und Werner Srameks Ideenreichtum entsprang.")

Bestätigt wird das neben dem ins Bild 3 gehaltenen Bildband auch auf https://www.wien.gv.at/bezirke/margareten/geschichte-kultur/kulturplattform/bildendekunst.html in "Margaretner Kulturschaffende - Bildende Künstlerinnen und Künstler, ziemlich weit unten zu Sramek Werner ("Grafisches Atelier seit 1963, unter anderem Leitsysteme für die Wiener U-Bahn, ..."). Laut Biografie auf eigener Website http://www.sramekgrafik.at/biografie/ @ U-Bahn-spezifisch auch Leitsystem für Bonn.

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Re: Linienkennfarben Grundnetz
« Antwort #1 am: 09. November 2018, 09:01:18 »
Die zugehörige Urban Legend besagt, man habe sich nicht getraut, mit einer violetten U-Bahn nach Hütteldorf zu fahren. :D
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Re: Linienkennfarben Grundnetz
« Antwort #2 am: 09. November 2018, 09:08:42 »
Die zugehörige Urban Legend besagt, man habe sich nicht getraut, mit einer violetten U-Bahn nach Hütteldorf zu fahren. :D

Selbige Urban Legend gibt es nunmehr auch zur Leitfarbe der S45. Hier wäre ja auch eine andere Farbe als grün etwas sinnvoller (zweimaliges Berühren der U4).

60er

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Re: Linienkennfarben Grundnetz
« Antwort #3 am: 09. November 2018, 09:43:47 »
Selbige Urban Legend gibt es nunmehr auch zur Leitfarbe der S45. Hier wäre ja auch eine andere Farbe als grün etwas sinnvoller (zweimaliges Berühren der U4).
Da man sich bei der Stammstrecke für ein blassrosa entschieden hat, blieb halt die Komplementärfarbe blassgrün für die S45.

Abgesehen von der Urban Legend mit Rapid, wird als weiterer Grund für die grüne Kennfarbe der U4 des öfteren Otto Wagner angeführt. Zu seinen Stationsbauwerken hätte die Farbe violett nicht gepasst.

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Re: Linienkennfarben Grundnetz
« Antwort #4 am: 09. November 2018, 09:51:00 »
Abgesehen von der Urban Legend mit Rapid, wird als weiterer Grund für die grüne Kennfarbe der U4 des öfteren Otto Wagner angeführt. Zu seinen Stationsbauwerken hätte die Farbe violett nicht gepasst.

Da passt das für die U4 verwendete Grün aber auch nicht dazu, das ist viel zu hell und schlägt sich sogar mit dem Dunkelgrün der Stationsbauwerke.
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Re: Linienkennfarben Grundnetz
« Antwort #5 am: 09. November 2018, 10:24:09 »
Soweit ich gehört habe, kam man erst verspätet drauf, dass lila nicht zu den Jugendstilbauwerken passt, dafür aber auf der Ustrab teilweise lila Fliesen verwendet wurden. Dass das Friedensbrücken-Lila kein Irrtum war, zeigen diese Bilder:
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Re: Linienkennfarben Grundnetz
« Antwort #6 am: 09. November 2018, 10:28:02 »
Da passt das für die U4 verwendete Grün aber auch nicht dazu, das ist viel zu hell und schlägt sich sogar mit dem Dunkelgrün der Stationsbauwerke.
Sicher passt das "Grasgrün" der U4 auch nicht perfekt, aber besser als violett ist es allemal.

Zumal es gar kein einheitliches "Stadtbahngrün" gibt, da Otto Wagner entlang der Donaukanal- und Wientallinie unterschiedliche Farbtöne verwendet hat. Die Bauwerke der Gürtelstadtbahn und Vorortelinie waren ja ursprünglich beige bzw. braun.

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Re: Linienkennfarben Grundnetz
« Antwort #7 am: 09. November 2018, 10:45:15 »
Zumal es gar kein einheitliches "Stadtbahngrün" gibt, da Otto Wagner entlang der Donaukanal- und Wientallinie unterschiedliche Farbtöne verwendet hat. Die Bauwerke der Gürtelstadtbahn und Vorortelinie waren ja ursprünglich beige bzw. braun.

Das heute vielfach Wagner zugeschriebene "Stadtbahngrün" gibt es wohl überhaupt erst seit den 50er Jahren. Vor einiger Zeit wurde am Franz-Josefs-Kai ein Geländer in seiner ursprünglichen Farbe angstrichen, zwischen Urania und Schwedenplatz. Wenn ich mich nicht täusche, ist es die Stiege zum Donaukanal hinunter gegenüber der Biberstraße.

Ferry

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Re: Linienkennfarben Grundnetz
« Antwort #8 am: 09. November 2018, 11:11:07 »
Soweit ich gehört habe, kam man erst verspätet drauf, dass lila nicht zu den Jugendstilbauwerken passt, dafür aber auf der Ustrab teilweise lila Fliesen verwendet wurden. Dass das Friedensbrücken-Lila kein Irrtum war, zeigen diese Bilder:

Interessant, dass da sichtlich noch angedacht war, die U6 erst ab Längenfeldgasse Richtung Süden zu führen und die Gürtelstadtbahn unverändert zu belassen.
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Re: Linienkennfarben Grundnetz
« Antwort #9 am: 09. November 2018, 11:13:20 »
Soweit ich gehört habe, kam man erst verspätet drauf, dass lila nicht zu den Jugendstilbauwerken passt, dafür aber auf der Ustrab teilweise lila Fliesen verwendet wurden. Dass das Friedensbrücken-Lila kein Irrtum war, zeigen diese Bilder:

Danke, tramway.at. Auf dich mit deinem umfangreichen Archiv aller Möglichkeiten und Unmöglichkeiten ist immer Verlass.  Das ist echt super so über die zeitliche Schiene untereinander. 8)

Von Irrtum, soweit wollte ich eh nicht gehen. Es ist nur alles schlicht obskur.

Das ist auch das erste Mal - siehe den Entwurf von der AGU, datiert 31.12.1971 - wo ich Werner Sramek auf einem authentischen, zeitgenössischen Ding drauf stehen sehe. Und an der Stelle wird's für mich noch sonderbarer, wo doch in dem Artikel im Bezirksjournal (siehe oben von mir verlinkt und zitiert), zu dem Bild 3 die Untertitelung die Erfindung von rot = U1 und grün = U4 steht, Sramek von seinen blank liegenden Nerven zur Eröffnung berichtet (gemeint, schätze ich mal, die U1-Eröffnung 1978) und andererseits dieser von dir eingebundene Prospekt von 1978 da ist mit dem überhaupt aus heutiger Sicht wirren Konzept, wo überdies die U3 braun gezeichnet ist, die U6 gelb nur von der Wientallinie nach Süden abgeht und die Gürtellinie als schwarz gezeichnete Stadtbahn drinnen ist.
Dem wiederum andererseits, da ja erwiesenermaßen in den auf den Windfangscheiben geklebten Linienplänen bereits Ende Mai 1976 die U4 grün ist (was wieder nicht zum erst viel späteren Prospekt 1978 mit lila passt) und die Rumpfstadtbahn G gestrichen braun ist.

Der Knackpunkt ist dabei: Wann wurden demnach wirklich die heutigen Farben endgültig festgelegt? Stimmt doch vielleicht linke Hand versus rechte Hand?

Und wenn ja Sramek auf dem AGU-Entwurf von Ende 1971 drauf ist, mit U2 = grün und U4 fehlend, wie geht es dann zusammen, dass er, Sramek, nun als Erfinder von U1 = rot (als einzig stabile Farbe) und U4 = grün genannt wird?

Fragen, Fragen über Fragen.

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Re: Linienkennfarben Grundnetz
« Antwort #10 am: 09. November 2018, 11:18:42 »
Interessant, dass da sichtlich noch angedacht war, die U6 erst ab Längenfeldgasse Richtung Süden zu führen und die Gürtelstadtbahn unverändert zu belassen.
Ich bezweifle, dass das so angedacht war. Es wurde in der Skizze halt nur die geplante U6-Neubaustrecke eingezeichnet, nicht aber der Anschluss an den Altbestand.

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Re: Linienkennfarben Grundnetz
« Antwort #11 am: 09. November 2018, 11:27:54 »
Soweit ich gehört habe, kam man erst verspätet drauf, dass lila nicht zu den Jugendstilbauwerken passt, dafür aber auf der Ustrab teilweise lila Fliesen verwendet wurden. Dass das Friedensbrücken-Lila kein Irrtum war, zeigen diese Bilder:

Interessant, dass da sichtlich noch angedacht war, die U6 erst ab Längenfeldgasse Richtung Süden zu führen und die Gürtelstadtbahn unverändert zu belassen.

Nein, das ist ein Grafiker-Fehler, das war nie geplant.
Übrigens, soweit ich weiß, hing der erste Plan auch in den Zügen - und ansonsten waren die Farben bei den Grafikern noch etwas willkürlich, aber man vergleiche bitte die fehlerhaften heutigen Grafikprodukte, aus denen man in 50 Jahren auch keine Wahrheiten ablesen wird dürfen!

Wobei - edit - ich vom Sramek früher nie hörte, Tino Erben war dagegen sehr bekannt seinerzeit, der wäre eigentlich der tatsächliche Kopf hinter allem.

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Tino_Erben
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Re: Linienkennfarben Grundnetz
« Antwort #12 am: 09. November 2018, 11:34:34 »
Soweit ich gehört habe, kam man erst verspätet drauf, dass lila nicht zu den Jugendstilbauwerken passt, dafür aber auf der Ustrab teilweise lila Fliesen verwendet wurden. Dass das Friedensbrücken-Lila kein Irrtum war, zeigen diese Bilder:

Was stellt der weiße Punkt am äußeren Rand der Fallblattanzeiger dar? Signalisierung eines einfahrenden Zuges, Lautsprecheröffnung oder ganz was anderes?
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Re: Linienkennfarben Grundnetz
« Antwort #13 am: 15. November 2018, 20:43:39 »
Was stellt der weiße Punkt am äußeren Rand der Fallblattanzeiger dar? Signalisierung eines einfahrenden Zuges, Lautsprecheröffnung oder ganz was anderes?

Etwas verspätet - keine Ahnung, aber es gab ihn auch in echt!
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Re: Linienkennfarben Grundnetz
« Antwort #14 am: 15. November 2018, 21:59:49 »
Was stellt der weiße Punkt am äußeren Rand der Fallblattanzeiger dar? Signalisierung eines einfahrenden Zuges, Lautsprecheröffnung oder ganz was anderes?
Etwas verspätet - keine Ahnung, aber es gab ihn auch in echt!

Ich habe Fotos von der alten U2 (Karlsplatz - Schottenring) gesehen, wo an der Stelle des weißen Punkts die Gleisangabe angebracht war.
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