Autor Thema: 29.4.1951: Unfall 62er Hetzendorfer Straße  (Gelesen 33055 mal)

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Re: 29.4.1951: Unfall 62er Hetzendorfer Straße
« Antwort #30 am: 11. Februar 2011, 20:59:36 »
Mit anderen Worten: Wenn man das Ding bedienen kann, macht der Ausfall eines der Bremssysteme eigentlich nichts.
Ich verstehe das Konzept dahinter nicht und bin generell dagegen.

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Re: 29.4.1951: Unfall 62er Hetzendorfer Straße
« Antwort #31 am: 11. Februar 2011, 21:44:20 »
Ja. Soviel auch zu Ferrys Mißtrauen gegenüber der Handbremse.

hema

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Re: 29.4.1951: Unfall 62er Hetzendorfer Straße
« Antwort #32 am: 11. Februar 2011, 23:36:12 »
Mit anderen Worten: Wenn man das Ding bedienen kann, macht der Ausfall eines der Bremssysteme eigentlich nichts.
"Eigentlich nichts" ist etwas gewagt, aber zum Stehen kommen muss ein Zug/Triebwagen auch bei Ausfall eines Bremssystems, wenn auch der (Not-)Bremsweg durchaus länger ausfallen wird. Natürlich ist es auch eine Frage des Könnens, der Routine und der Dauer der Schocksekunde des Wagenbewegers und ob er bzw. wann er entsprechende Handlungen setzt (oder nicht)! Abseits des menschlichen Versagens, Unvermögens oder körperlich/geistigen Totalausfalls, lassen sich aber schon (äußerst unwahrscheinlich eintretende) technische Gründe konstruieren, die einen "durchgehenden" Wagen praktisch unbremsbar erscheinen lassen.

Das alles ist natürlich kein Trost für jenen, der durch den wegen eines technischen Gebrechens verlängerten Bremsweg zu Schaden kommt. Aber der wesentlichste Faktor bleibt (wie auch im Auto, Flugzeug, AKW usw.) der bedienende Mensch und seine (Re-)Aktion.
Niemand ist gezwungen meine Meinung zu teilen!

haidi

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Re: 29.4.1951: Unfall 62er Hetzendorfer Straße
« Antwort #33 am: 12. Februar 2011, 02:48:31 »
@hema: Wenn der vordere Fahrschalter "defekt" war, hätte natürlich mit dem Hinteren gefahren werden können - soferne sich der Vordere in Nullstellung bringen und sich der Umkehrhebel abziehen ließ. Ansonsten wäre es - wie hier schon gepostet - schwierig geworden. Auch hätte der Fahrer sich erstmal - durch den vollen Wagen - einen Weg bahnen und den hinteren Fahrschalter erreichen müssen - das dürfte unter den gegebenen Umständen nicht ganz einfach gewesen sein.

Folgendes war gemeint:
Der Fahrer hat schon früher bemerkt, dass der vordere Fahrschalter defekt ist. Also Fahrgäste raus und als Sonderzug einziehen. Du meintest: Abschleppen, dann kam "Fahren mit dem hinteren Fahrschalter" in die Diskussion. Das wäre so von sich gegangen: Der Fahrer bemerkt den defekten Fahrschalter und darf (wie du ja selbst richtig angemerkt hast) nicht mehr  mit Fahrgästen fahren. Also raus mit denen, Umkehrhebel auf den hinteren Fahrschalter und auf Pfeifsignale des 1. Schaffners (der beim vorderen Fahrschalter steht) langsam als Sonderzug einziehen.

Als er die Breitenfurter Straße hinunter "raste", wärs eh nicht möglich gewesen, irgendwas mit demhinteren Fahrschalter zu machen.

Hannes
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

Ferry

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Re: 29.4.1951: Unfall 62er Hetzendorfer Straße
« Antwort #34 am: 14. Februar 2011, 09:57:34 »
Ja. Soviel auch zu Ferrys Mißtrauen gegenüber der Handbremse.
Ich habe grundsätzlich kein Mißtrauen - aber es dürfte wohl allgemein bekannt sein, dass man die Feststellbremse nie als Betriebsbremse verwenden darf, weil besonders auf abschüssiger Strecke mit einem vollen Zwei-/Dreiwagenzug und/oder ungünstigem Gleiszustand deren Bremswirkung nicht ausreicht, den Zug rechtzeitig zum Stillstand zu bringen, besonders, wenn die Schaffner (Begleiter) auf den Beiwägen nicht mitbremsen. Hingegen ist die Gefahr, hier einen "Schlitten zu reißen", d.h, die Gefahr, dass Rädergleiten einsetzt und damit der Zug ins Ruschen kommt, sehr groß. Außerdem besteht bei Wagen mit Getriebe- und Scheibenbremsen die Gefahr, dass die Bremsescheibe von der Motor- bzw. Radachse gerissen wird, weil sie für eine derartige Krafteinwirkung nicht gebaut ist. Gut, dieser Punkt kam im gegenständlichen Fall - ich beziehe mich jetzt immer noch auf das Unglück am 62er - nicht zum Tragen, da die K- und L-Wagen mit Klotzbremse ausgerüstet sind, die robuster konstruiert ist.

Wie ich schon schrieb, waren 1951, als das Unglück am 62er geschehen ist, Schienenbremsen noch nicht sehr verbreitet, daher nehme ich an, dass der verunglückte Zug noch nicht damit ausgerüstet war. Sonst wäre es selbstverständlich das erste gewesen, gleichzeitig mit dem Schalten auf die erste Bremsstufe auch die Schienenbremse einzuschalten.

@haidi: ich verstehe, was du meinst. Heute ist es allerdings m.W. so, dass bei einer Störung des vorderen Fahrschalters die BI angerufen werden muss, die ein Rüstfahrzeug losschickt, das den Zug dann in den Bahnhof schleppt.
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Re: 29.4.1951: Unfall 62er Hetzendorfer Straße
« Antwort #35 am: 14. Februar 2011, 11:31:24 »
aber es dürfte wohl allgemein bekannt sein, dass man die Feststellbremse nie als Betriebsbremse verwenden darf
Andererseits war es durchaus betriebliche Praxis, auf abschüssigen Strecken die Feststellbremse zum Vor- bzw. Mitbremsen zu verwenden. Beim G-Triebwagen habe ich das selbst gesehen.
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Ferry

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Re: 29.4.1951: Unfall 62er Hetzendorfer Straße
« Antwort #36 am: 14. Februar 2011, 11:52:22 »
aber es dürfte wohl allgemein bekannt sein, dass man die Feststellbremse nie als Betriebsbremse verwenden darf
Andererseits war es durchaus betriebliche Praxis, auf abschüssigen Strecken die Feststellbremse zum Vor- bzw. Mitbremsen zu verwenden. Beim G-Triebwagen habe ich das selbst gesehen.
Ja klar, der hatte ja auch ebenfalls Klotzbremsen. Mit denen kann man das machen.
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Re: 29.4.1951: Unfall 62er Hetzendorfer Straße
« Antwort #37 am: 14. Februar 2011, 15:20:54 »
Früher war das Vorbremsen mit der Handbremse eine durchaus gängige Praxis, um den Bremsruck der bei manchen Wagen sehr bissigen ersten Bremsstufe zu mildern. Die Hanbremse der M durfte dazu natürlich nicht verwendet werden. Aber bei einem Notfall hat natürlich kein Fahrer gezögert, den Zug allenfalls auch nit der Handbremse eines M zum Stillstand zu bringen und das hat sie ganz sicher auch ausgehalten.

Ferry

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Re: 29.4.1951: Unfall 62er Hetzendorfer Straße
« Antwort #38 am: 14. Februar 2011, 16:49:50 »
Früher war das Vorbremsen mit der Handbremse eine durchaus gängige Praxis, um den Bremsruck der bei manchen Wagen sehr bissigen ersten Bremsstufe zu mildern.
Ah, deswegen kam dann später bei einigen Typen die Vorerregung dazu?

Zitat
Die Hanbremse der M durfte dazu natürlich nicht verwendet werden. Aber bei einem Notfall hat natürlich kein Fahrer gezögert, den Zug allenfalls auch nit der Handbremse eines M zum Stillstand zu bringen und das hat sie ganz sicher auch ausgehalten.
Natürlich, bevor man auf sicht nimmt, dass ein Zug "durchgeht", bremst man ihn mit allen verfügbaren Mitteln.
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Re: 29.4.1951: Unfall 62er Hetzendorfer Straße
« Antwort #39 am: 14. Februar 2011, 17:00:34 »
Ah, deswegen kam dann später bei einigen Typen die Vorerregung dazu?

Gegen einen zu harten Bremseinsatz auf der ersten Bremsstufe hat die Vorerregung gar nichts genützt, sondern nur wenn auf Grund der Geschwindigkeit erst auf einer Bremsstufe >1 eine Bremswirkung eintrat.

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Re: 29.4.1951: Unfall 62er Hetzendorfer Straße
« Antwort #40 am: 01. November 2011, 17:53:07 »
Habe zu diesem Thema noch Fotos gefunden, dürften von der Qualität etwas besser als die Ersten sein! Gut kann man Wagen 2323 erkennen, nicht mal vom Fenster waren die Leute damals wegzubringen! Am zweiten Foto erkennt man schon gut, das bereits der Folgezug kam. Um den Unfallort war rasch ein Menschenauflauf, scheint doch etwas Besonderes zu sein, so ein Unfall!

Ferry

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Re: 29.4.1951: Unfall 62er Hetzendorfer Straße
« Antwort #41 am: 02. November 2011, 16:58:36 »
Habe zu diesem Thema noch Fotos gefunden, dürften von der Qualität etwas besser als die Ersten sein! Gut kann man Wagen 2323 erkennen, nicht mal vom Fenster waren die Leute damals wegzubringen! Am zweiten Foto erkennt man schon gut, das bereits der Folgezug kam. Um den Unfallort war rasch ein Menschenauflauf, scheint doch etwas Besonderes zu sein, so ein Unfall!
So ein Unfall ganz bestimmt.
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Re: 29.4.1951: Unfall 62er Hetzendorfer Straße
« Antwort #42 am: 02. November 2011, 21:20:50 »
Super, solche Bilder "freuen" mich immer ganz besonders, auch wenn der Inhalt selbstverständlich nicht zum Freuen ist!
Mit uns kommst du sicher... zu spät.

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Re: 29.4.1951: Unfall 62er Hetzendorfer Straße
« Antwort #43 am: 03. November 2011, 00:48:48 »
Unfallort war rasch ein Menschenauflauf, scheint doch etwas Besonderes zu sein, so ein Unfall!
Na klar, ist heutzutage auch nicht anders. Bei der Entgleisung eines 49ers beim Westbahnhof vor einigen Wochen war auch sofort eine Menschentraube da, die teilweise die Einsatzkräfte behindert hat. Heute (eigentlich gestern) gegen Mittag gab es ein (ziemlich unspektakuläres) Niederstoßen einer Person beim Schottentor durch einen Zug der Linie D und auch da waren sogleich an die 50 Personen zur Stelle zum Glotzen. Wo Blaulicht ist, da gibt's was zu sehen. Die Menschen sind sensationsgeil, und zugegeben, ich bin es bis zu einem gewissen Grad auch.

moszkva tér

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Re: 29.4.1951: Unfall 62er Hetzendorfer Straße
« Antwort #44 am: 03. November 2011, 07:48:28 »
Heute (eigentlich gestern) gegen Mittag gab es ein (ziemlich unspektakuläres) Niederstoßen einer Person beim Schottentor durch einen Zug der Linie D und auch da waren sogleich an die 50 Personen zur Stelle zum Glotzen. Wo Blaulicht ist, da gibt's was zu sehen. Die Menschen sind sensationsgeil, und zugegeben, ich bin es bis zu einem gewissen Grad auch.
hier gibt es nichts zu sehen leute!
 :up: