Wunderbares Bild, Danke. Es zeigt so viele interessante Details:
- die kuriosen Rechtecke für die provisorische Aufhängung der Fahrleitung. Die alten Masten in Gleismitte müssten entfernt werden, um Platz für die Stromschienen zu schaffen.
- die hölzernen, provisorischen Bahnsteige, die dann bei der Umstellung auf U-Bahnbetrieb innerhalb eines Wochenendes aufgedoppelt wurden
- Wie man am rechten Bahnsteig sieht, wurde der Perron bereits in der hinteren Hälfte auf U-Bahn-Niveau angehoben. Auch das alte Bahnsteigdach wurde zu diesem Zweck angehoben, wie man an den Sockeln erkennen kann - leider nur in der Haltestelle Stadtpark. Bei allen anderen Otto-Wagner-Stationen im Wiental wurde es beseitigt und durch ein neuartiges Dach ersetzt.
- der 3er am linken Bildrand: dort musste ein Drei-Wagen-Zug halten, um nicht zu weit vom Aufgang entfernt stehen zu bleiben. Es gab Tafeln für alle Zuglängen, wenn ich mich Recht erinnere. Es herrschte noch Linksfahrbetrieb. Bei den Kurzzügen im frühen U-Bahnbetrieb musste man später den halben Bahnsteig lang laufen, da diese immer am Signal am Bahnsteigende zum Stehen kamen.
- die rostigen Stromschienen in der Mitte: da ich damals praktisch täglich mit der Stadtbahn zur Schule fuhr, beobachtete ich akribisch den Baufortschritt. Zuerst wurden die Halterungen ausgeteilt und etwa alle 10 Schwellen inklusive Schrauben für die Montage vorbereitet. In der nächsten Phase wurden sie an den Holzschwellen befestigt.
Danach wurden die rostigen Stromschienen ausgeteilt und zunächst am Boden abgelegt. Danach folgte ihre Montage, wobei die einzelnen Schienen noch an den Anschlüssen frei herumhingen. Sodann wurden sie verschweißt. Ebenso wurden bei den Unterbrechungen unterirdische Kabel für die lückenlose Stromversorgung verlegt und mit den Schienen verschraubt. Die Endstücke der Schienen waren leicht nach oben gebogen, um ein sanftes Ansetzen der Stromabnehmer zu ermöglichen.
Dann wurden die gelben Abdeckungen ausgeteilt. Es gab lange Stücke für die Schienen und eigene Kappen für die Aufhängungen bei den Halterungen. Nach und nach wurden dann die Abdeckungen montiert, wobei zunächst noch ein paar Stücke fehlten, für die offenbar Sonderanfertigungen oder kürzere Elemente notwendig waren. Schließlich waren die Stromschienen fertig und strahlten in frischem Gelb. Heute sind sie stark verschmutzt. Nun wurden noch zwei schwarze Kabel in der Gleismitte verlegt und an den Schwellen befestigt. Die dien(t)en dem Zugbeeinflussungssystem.
- die ältere Dame mit Hut und Mantel gehörte damals auch zum Alltagsbild.
Die Arbeiten zogen sich über mehrere Wochen hin, weil ja immer nur in der Nacht nach Betriebsschluss gearbeitet werden konnte. Endlich war die U-Bahn-Strecke bereit und ich konnte es kaum erwarten, bis der erste U-Bahnzug fuhr. Dass es auf einmal keine Stadtbahn mehr geben würde, daran habe ich damals nicht gedacht. Die fuhr ja noch lange Jahre am Gürtel...