Autor Thema: WLB - Badner Bahn - Historisches  (Gelesen 270302 mal)

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Halbstarker

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Re: WLB - Badner Bahn - Historisches
« Antwort #375 am: Heute um 18:36:28 »
Die 1906 von der Waggonfabrik František Ringhoffer gelieferten Wagen 201 - 214 waren von einer unüberbietbaren Pracht und Ästhetik. Auch die Technik der Wagen war mit vier Fahrmotoren und zwei Drehgestellen modern.

Ja, und außerdem handelte es sich um Zweisystemfahrzeuge. Der Abschnitt Philadelphiabrücke–Leesdorf wurde mit 500 V/15 Hz betrieben. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde der Wechselstrombetrieb aufgegeben.
Zweisystemfahrzeug ist übertrieben. Die hatten Reihenschlussmotoren, welche sowohl mit Wechselstrom als auch mit Gleichstrom betrieben werden konnten. Und Glühbirnen, Widerständen und Heizung war erst Recht wurscht, welcher Strom sie speiste. An den Trennstellen kam Wechselstrom statt Gleichstrom durch die Fahrleitung, das war's. Grund war die bessere Übertragung von Wechselstrom im Überlandabschnitt. Der Strom musste nur von 10.000 V auf Fahrdrahtspannung umgewandelt werden, mittels mehrerer Transformatoren entlang der Strecke. Man sparte sich die (damals noch mechanischen) Umformer, Gleichrichter waren noch nicht verfügbar. Die Straßenbahnnetze in Wien und Baden fuhren mit Gleichstrom und waren bereits vorhanden, daher die zwei Stromsysteme.

Zwei Stromsysteme (DC und AC) => Zweisystemfahrzeug. Ok., Trafo und Gleichrichter war im Fahrzeug keiner.
Wegen der Speisung mit Wechselstrom waren die Fahrmotoren sechspolig ausgeführt, während reine Gleichstrom-Bahnmotoren üblicherweise vierpolig sind. Die sechspoligen Maschinen waren bis zum Schluss in der Reihe 20/30 eingebaut, auch wenn diese nach 1945 nur mehr mit Gleichstrom betrieben wurden.
Ceterum censeo autocineta omnibus delenda esse!