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« Letzter Beitrag von Kurzzug am Gestern um 17:29:38 »
Ich glaube, ein stumpfer Vergleich mit der nächstgrößeren Stadt bezüglich der Bevölkerungszahl und -dichte ist an erster Stelle, um zu eruieren, wie schwer es sein wird, so eine Straßenbahn vollzubekommen. Für die Stadtentwicklung wäre ein Straßenbahnprojekt ein großes Plus und würde auch das Image stark verbessern. Viele sehen Klagenfurt als Kaff und das wird zum Teil auch daran hängen.
Für diesen Vergleich nehmen wir erstmal die nackten Bevölkerungszahlen von Innsbruck und Klagenfurt: 132000 vs. 106000. Klingt ok, aber bei Betrachtung der Dichte schrillen bei mir schon die Alarmglocken: 1263 vs. 876, also fast ein Drittel weniger. Wenn man sich dazu die Bevölkerungszahlen der Stadtregion ansieht (Definition der Statistik Austria, von Wikipedia genommen), erhärtet sich dieses Bild: In der Kernzone der Stadtregion Innsbruck leben etwa 233000 Menschen, in der Außenzone kommen noch 59000 dazu. Wären gesamt 292000. In Klagenfurt hat man eine Kernzone die fast dem Stadtgebiet entspricht und damit nur 120000 Einwohner, mit der Außenzone (44000) sind es 164000. Wir haben es also mit etwa der halben Bevölkerung zu tun, die so ein Straßenbahnnetz regulär benutzen würde. Dazu kommt aufgrund der niedrigeren Dichte eine geringere Konzentration um leicht zu erschließende Achsen. Man kann hier also nicht ehrlich für die Straßenbahn argumentieren und dabei ihre Leistungsfähigkeit besonders hervorheben. Dieses Argument ist für Klagenfurt nicht stichhaltig, da in dieser Stadt alles mit Gelenkbussen zu stemmen wäre, "notfalls" im attraktiveren 7,5 min Takt.
Man muss also auf die Attraktivierung des Stadtbildes und den Schienenbonus bei der Verkehrsmittelwahl besonders hinweisen, was im vorliegenden Text auch geschieht. Es gibt andernorts ja auch Straßenbahnbetriebe mit deutlich weniger Andrang und Halbstundentakt, z. B. in Halberstadt.
Mit Blick auf die Finanzlage muss man auch die Frage stellen, ob man die Umweltziele nicht billiger mit einem Ausbauprogramm für Fahrräder (plus Abbauprogramm für MIV) auch erreichen kann. Die Fahrradabstellung am Hauptbahnhof war bei meinen Besuchen stets gut gefüllt, hier kann sicher noch Potenzial gehoben werden.
Ein paar technischere Anmerkungen zum Entwurf:
Die Tram-Train-Idee halte ich langfristig für verfolgenswert, aber nicht auf der vorgeschlagenen Strecke. Ferlach muss das Ziel einer solchen Erschließung sein. Für die Anbindung von Viktring genügt eine normale Straßen-/Lokalbahn, die Bestandsstrecke bringt ob ihrer Eingleisigkeit ohnehin Komplikationen bzw. Ausbaubedarf. Für die 2 km Zweisystemfahrzeuge anschaffen, lohnt sich ebenfalls nicht.
Zur Verbindung nach Feldkirchen: Ja, es gibt nur eine Umwegverbindung mit der S2, aber der X2 ist die Pendlerverbindung der Feldkirchner und die wird auch sehr gut angenommen. Ein Umlenken des X2 nach Annabichl bringt dir ganz viele FE-Autos wieder in die Stadt Klagenfurt. Beim Dörfer-Bus 401 ist das etwas anders, der hat ohnehin schon so lange Fahrzeiten, dass der von Autobesitzern gar nicht in Betracht gezogen wird.
Außerdem würde ich annehmen, dass sich so ein Netzentwurf besser verkauft, wenn man direkt im Kernnetz eine gute Anbindung von Europapark und Strandbad aufnimmt. Vielleicht ist es am sinnvollsten, die Museumstram zum Lakeside Park zu führen und dort einen Umstieg an nachgefragten Tagen zu schaffen. Direkte Museumszüge übers Hauptnetz wären ein netter Bonus, leider ist die Museumsbahn in Meterspur.
Das Konzept an sich finde ich gut durchdacht, man merkt, dass du viel Arbeit reingesteckt hast. Danke dafür!