Klagenfurt muss nur eines erarbeiten: Einen Plan um die Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Die Stadt tut sich schon schwer das Budget für wirklich wichtige Dinge wie neue Bildungseinrichtungen oder eine Kläranlage zu stemmen. Da kann man schon froh sein wenn das jetzige halbwegs brauchbare Mobilitätsangebot erhalten bleibt.
Klagenfurt droht Zahlungsunfähigkeit (23.06.2025): https://kaernten.orf.at/stories/3310627/
Lösung fast unmöglich. 27 Millionen Minus! Bleibt Klagenfurt Pleitestadt? (01.12.2025): https://www.krone.at/3974836
Du hast wahrscheinlich mehr Einblick in die finanzielle Situation von Klagenfurt. Mit leeren Stadtkassen haben mehr oder weniger alle Gemeinden zu kämpfen. Umgekehrt liegt es an der Politik, für bestimmte Vorhaben die entsprechenden Mittel flüssig zu machen. Ganz so tragisch scheint die Situation in Klagenfurt nicht zu sein, denn man leistet sich trotz angespannter Finanzlage ein neues Hallenbad um (mindestens) 70 Mio. Euro.
Die Kosten für eine Straßenbahnnetz sind freilich höher. Die Kernstrecke der Stadt-Regionalbahn Linz ist mit 667 Mio. Euro veranschlagt, der Ausbau der Straßenbahn in Innsbruck (Linien 2 und 5) und 30 neue Fahrzeuge hat 408 Mio. Euro gekostet, nur so um eine Vorstellung von ähnlichen Investitionen zu bekommen. Ich habe das Grundnetz für Klagenfurt so irgendwo bei 350 Mio. Euro eingestuft.
Wichtig ist freilich auch, welche Kosten nach der Investition in den Folgejahren entstehen. Die schweren Gelenkbusse, welche die Straßen kaputtwalzen und die alle 10-15 Jahre neu gekauft werden müssen, fallen ohne Straßenbahn weiter an. Und nur wegen politischer Uneinstimmigkeit ist das Projekt für die Elektrobusse in Klagenfurt (167 Mio Euro) letztes Jahr zu Fall gekommen, nicht weil man dafür nicht eine Finanzierung auf die Beine gebracht hat. Rückwirkend muss man sagen: besser so, denn gebracht hätte die Maßnahme Recht wenig - sowohl im Bezug auf die Angebotsverbesserung als auch punkto Betriebskosten. Und der Mehrwert bezüglich Nachhaltigkeit und Stadterneuerung wäre auch überschaubar gewesen.
Der finanzielle Aspekt ist nur ein Teil des ganzen - letztlich geht es darum, wie eine Stadt sich entwickeln will. Wenn der politische Wille besteht, finden sich entsprechende Wege.