Autor Thema: Bauwerke der Wiener Stadtbahn  (Gelesen 19184 mal)

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Re: Bauwerke der Wiener Stadtbahn
« Antwort #45 am: 31. Dezember 2017, 20:22:39 »
Die lagen am Rest des Kobingersteges (am Bild in der Mitte zu sehen) und wurden wohl beim Abbruch der ganzen Gegend weggeschmissen.
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Re: Bauwerke der Wiener Stadtbahn
« Antwort #46 am: 31. Dezember 2017, 21:17:35 »
Die lagen am Rest des Kobingersteges (am Bild in der Mitte zu sehen) und wurden wohl beim Abbruch der ganzen Gegend weggeschmissen.
Ich bin enttäuscht, ich hatte gehofft, du hättest sie gerettet! :o :'(

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Re: Bauwerke der Wiener Stadtbahn
« Antwort #47 am: 31. Dezember 2017, 22:06:01 »
Interessant finde ich diese Aussage:
Zitat von: orf.at
Robert Linke, der Leiter des naturwissenschaftlichen Labors des Bundesdenkmalamtes, der das Thema heuer publiziert hat: „Die Untersuchung der Sonnenblumengeländer hat gezeigt, dass sie in 115 Jahren rund 15-mal gestrichen wurden – in einem Zyklus von fünf bis zehn Jahren.“
Das widerspricht irgendwie meinem subjektiven Empfinden, zumindest im Falle der Gürtellinie. Dort herrschten noch bis in die 90er Jahre Sonnenblumengeländer in einem dunkelgraubraunen Farbton vor, die keinesfalls den Eindruck machten, als seien sie fünf bis zehn Jahre davor neu gestrichen worden. Selbst wenn man den Einfluss der Witterung und die Luftverschmutzung ins Kalkül zieht, kann ich mir nicht vorstellen, dass die jemals grün waren. :D

Gerade bei den Geländersanierungen geht man übrigens in zweierlei Hinsicht ahistorisch vor: Es werden nicht nur die Geländer selbst in dem "falschen" Grün gestrichen, sondern auch gleich die Ziegel dazwischen (gemauerte Kamine) und unmittelbar darunter durchgehend durch neue in einem hellen Ziegelrot ersetzt, wiewohl für die Viadukte ursprünglich je nach Ort verschiedene Ziegelfarbtöne von Hellocker bis Dunkelrotbraun verwendet wurden.
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Re: Bauwerke der Wiener Stadtbahn
« Antwort #48 am: 31. Dezember 2017, 23:38:31 »
Die lagen am Rest des Kobingersteges (am Bild in der Mitte zu sehen) und wurden wohl beim Abbruch der ganzen Gegend weggeschmissen.
Ich bin enttäuscht, ich hatte gehofft, du hättest sie gerettet! :o :'(

Haha, die konnte ich nichtmal bewegen, so schwer und groß waren die!
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Re: Bauwerke der Wiener Stadtbahn
« Antwort #49 am: 01. Januar 2018, 18:39:18 »
Die lagen am Rest des Kobingersteges (am Bild in der Mitte zu sehen) und wurden wohl beim Abbruch der ganzen Gegend weggeschmissen.

Bei Wikipedia steht dazu folgendes: "Wegen der Errichtung der dreispurigen Linken Wienzeile in diesem Abschnitt musste der Kobingersteg 1969 abgebrochen werden."
Warum musst der abgerissen werden - der war ja nicht mal im Weg?

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Re: Bauwerke der Wiener Stadtbahn
« Antwort #50 am: 01. Januar 2018, 22:47:39 »
Bei Wikipedia steht dazu folgendes: "Wegen der Errichtung der dreispurigen Linken Wienzeile in diesem Abschnitt musste der Kobingersteg 1969 abgebrochen werden."
Warum musst der abgerissen werden - der war ja nicht mal im Weg?

Ich nehm mal an, das rasante Fortkommen durfte durch eine Fußgängerkreuzung nicht gebremst werden... Hier im Hintergrund sieht man die Widerlager:
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Re: Bauwerke der Wiener Stadtbahn
« Antwort #51 am: 02. Januar 2018, 00:45:57 »
Bei Wikipedia steht dazu folgendes: "Wegen der Errichtung der dreispurigen Linken Wienzeile in diesem Abschnitt musste der Kobingersteg 1969 abgebrochen werden."
Warum musst der abgerissen werden - der war ja nicht mal im Weg?

Ich nehm mal an, das rasante Fortkommen durfte durch eine Fußgängerkreuzung nicht gebremst werden... Hier im Hintergrund sieht man die Widerlager:

Die Kaimauer am linken Ufer wurde, wie man an der Mauerung gut erkennen kann, angehoben. Damit hätte man das Tragwerk nochmals anheben müssen. Erstmals wurde das Tragwerk beim Bau der Wientallinie gehoben und dabei entstand die Vorbrücke über die Wientalstrecke und zu beiden Seiten Stiegenaufgänge. Fussgängerübergänge mit Ampel über die Schnellstrasse wollte man nicht haben und beinahe wäre auch der Storchensteg abgebrochen worden, aber Einsprüche beider Bezirke haben das verhindern können.

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Re: Bauwerke der Wiener Stadtbahn
« Antwort #52 am: 15. Januar 2018, 15:01:35 »
Interessant finde ich diese Aussage:
Zitat von: orf.at
Robert Linke, der Leiter des naturwissenschaftlichen Labors des Bundesdenkmalamtes, der das Thema heuer publiziert hat: „Die Untersuchung der Sonnenblumengeländer hat gezeigt, dass sie in 115 Jahren rund 15-mal gestrichen wurden – in einem Zyklus von fünf bis zehn Jahren.“
Das widerspricht irgendwie meinem subjektiven Empfinden, zumindest im Falle der Gürtellinie. Dort herrschten noch bis in die 90er Jahre Sonnenblumengeländer in einem dunkelgraubraunen Farbton vor, die keinesfalls den Eindruck machten, als seien sie fünf bis zehn Jahre davor neu gestrichen worden. Selbst wenn man den Einfluss der Witterung und die Luftverschmutzung ins Kalkül zieht, kann ich mir nicht vorstellen, dass die jemals grün waren. :D

Gerade bei den Geländersanierungen geht man übrigens in zweierlei Hinsicht ahistorisch vor: Es werden nicht nur die Geländer selbst in dem "falschen" Grün gestrichen, sondern auch gleich die Ziegel dazwischen (gemauerte Kamine) und unmittelbar darunter durchgehend durch neue in einem hellen Ziegelrot ersetzt, wiewohl für die Viadukte ursprünglich je nach Ort verschiedene Ziegelfarbtöne von Hellocker bis Dunkelrotbraun verwendet wurden.

Grüne Ölfarbe und grüner Kunstharzlack vergilben relativ stark (allerdings bei direkter Sonneneinstrahlung weniger als im Dunkeln) und sie bleichen stark aus. Insofern ist graubraun in einer Kombination aus Ausbleichen und Bremsklotzabrieb und Radreifenabrieb (vulgo Rost) als Verwitterungsprodukt von Resedagrün durchaus vorstellbar. Andererseits habe ich auch innen an Türen der Stationsgebäude allerhand sehr eigenartige Lackschichten gefunden, unter anderem ein sehr dunkles Elefantengrau. Vor der Renovierung waren die Stationen ein durchaus interessantes Sammelsurium an abblätternden Lackschichten!

Von Wagner ausgeschrieben waren gelb-weiße Ziegel, wie sie im Bereich Abzweigung Spittelau auch gut sichtbar sind - das ist der einzige Bereich, in dem das Klinkermauerwerk in den letzten Jahrzehnten anständig gereinigt wurde. Im oberen Bereich der Bögen, also dort wo die Witterungseinflüsse am stärksten waren, sieht man dort unregelmäßige Ausbesserungen mit recht dunklen rotbraunen Ziegeln. Anderswo, wo die Ziegel die Patina etlicher Jahrzehnte tragen, muss man schon sehr genau hinschauen um die ursprüngliche hellgelbe Färbung der Ziegel zu erahnen. Ich würde also davon ausgehen, dass die Bögen ursprünglich durchwegs hellgelb waren, passend zu den Natursteinelementen. Zusammen mit den sandfarbenen Geländern muss das ein ziemlich fader Anblick gewesen sein.
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Re: Bauwerke der Wiener Stadtbahn
« Antwort #53 am: 15. Januar 2018, 15:52:02 »
Ich würde also davon ausgehen, dass die Bögen ursprünglich durchwegs hellgelb waren, passend zu den Natursteinelementen. Zusammen mit den sandfarbenen Geländern muss das ein ziemlich fader Anblick gewesen sein.

Aber durchaus passend zu den strahlend weißen Stationsgebäuden. Zur Errichtungszeit der Stadtbahn war die Industrieoptik von roten Ziegeln sicher nicht der passende Stil für ein Megaprojekt, das den Gefallen des Kaiserhauses finden musste! Ja, man müsste halt mit der Zeitmaschine ins Jahr 1900 reisen können. :'(
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Re: Bauwerke der Wiener Stadtbahn
« Antwort #54 am: 25. Januar 2018, 21:43:13 »
Ein kleiner Artikel in der FAZ anlässlich des 100. Todestages von Otto Wagner.

Zu den 5 Bildern.

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Re: Bauwerke der Wiener Stadtbahn
« Antwort #55 am: 31. Januar 2018, 10:24:35 »
Kolorierte Postkarte der Stadtbahnstation Gumpendorfer Straße:

http://see.clubcomputer.at/damals.aspx?moid=18396

Es fällt auf, dass die Stadtbahnbögen weiß belassen wurden, dafür sieht man am Stationsgebäude im Bereich der Fenster rote bzw. braune Elemente. Die Brückengeländer scheinen zwar grün zu sein, die Lok ist es aber auch. Das deutet nach meinem Empfinden eher darauf hin, dass das am ehesten als Grauton interpretiert werden sollte.
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Re: Bauwerke der Wiener Stadtbahn
« Antwort #56 am: 31. Januar 2018, 10:37:15 »
Mir ist noch was eingefallen - ich denke, die Bögen hatten je nach Ort unterschiedliche Ziegelverblendungen (die nicht großflächig verändert wurden) - die abgetragene Rampe in Meidling war zuletzt ziemlich scheckig, vielleicht waren die ockerfarbenen Ziegel rot glasiert, war bei etlichen aber abgegangen ist?! Oder man hat von Anfang an verwendet, was grad da war?
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Re: Bauwerke der Wiener Stadtbahn
« Antwort #57 am: 31. Januar 2018, 11:35:47 »
Mir ist noch was eingefallen - ich denke, die Bögen hatten je nach Ort unterschiedliche Ziegelverblendungen (die nicht großflächig verändert wurden) - die abgetragene Rampe in Meidling war zuletzt ziemlich scheckig, vielleicht waren die ockerfarbenen Ziegel rot glasiert, war bei etlichen aber abgegangen ist?!

Sie waren sicher unterschiedlich und man hat wahrscheinlich auch mit Mustern aus roten und hellen Ziegeln gespielt. Möglicherweise waren die Ziegel ursprünglich alle glasiert, weil das erstens schöner aussah und man zweitens bei der benötigten Menge, die sicher von unterschiedlichen Fabriken bezogen werden musste, einfach unglasiert keine gleichmäßigen Farbtöne erhalten hätte?

Oder man hat von Anfang an verwendet, was grad da war?

Das glaube ich nicht, das wäre eher die heutige Arbeitsweise.
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Re: Bauwerke der Wiener Stadtbahn
« Antwort #58 am: 31. Januar 2018, 11:44:48 »
Im Sichtbereich wurden Klinkerziegel verbaut. Im Wiener Becken stehen verschiedene Tone an, bevorzugt wurde der Grünton, (Tegel), der einen besonders dichten und dunklen Stein ergab und besonders für Dachziegel geeignet ist. Die Lager am Wienerberg waren so ergiebig, dass man den darüber liegenden gelben Ton verworfen hat. Bei der Behebung von Kriegsschäden hat man sich besonders im Hinterhofbereichen wie Gaudenzdorf oder Heiligenstadt nicht mehr die Mühe gemacht, die noch brauchbaren Altziegel nach Farbe zu sortieren und viele Bögen wurden nur mehr vereinfacht wieder aufgebaut. Dazu kommt, dass ab 1938 nur mehr der etwas kleinere deutsche Einheitsbackstein pruduziert werden durfte und diese beim Wiederaufbau einige Anforderungen an die Maurer bei Anschlussstelen an alte Bausubstanz darstellten.

Foto vom Streckenteil nach Heiligenstadt mit unterschiedlichen Aufbauformen, zum Teil stark vereinfacht.

Ferry

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Re: Bauwerke der Wiener Stadtbahn
« Antwort #59 am: 31. Januar 2018, 15:37:11 »
Mir ist noch was eingefallen - ich denke, die Bögen hatten je nach Ort unterschiedliche Ziegelverblendungen (die nicht großflächig verändert wurden) - die abgetragene Rampe in Meidling war zuletzt ziemlich scheckig, vielleicht waren die ockerfarbenen Ziegel rot glasiert, war bei etlichen aber abgegangen ist?! Oder man hat von Anfang an verwendet, was grad da war?

Eines weiß ich: solltest du jemals die Absicht haben, von diesen längst nicht mehr existierenden Straßenzügen (bzw. den schon damals teilweise nur mehr vorhandenen Fragmenten) einen Bildband zu machen, werde ich sicher einer der Ersten sein, der ihn kaufen wird!
Weißt du, wie man ein A....loch neugierig macht? Nein? - Na gut, ich sag's dir morgen. (aus "Kottan ermittelt - rien ne va plus")