Autor Thema: Sicherheitsoffensive der Wiener Linien  (Gelesen 8799 mal)

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13er

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Sicherheitsoffensive der Wiener Linien
« am: 10. Februar 2011, 20:36:12 »
Ich gebe das mal in den "sonstigen ÖV", da die meisten Punkte mit U-Bahn oder Bus zu tun haben...

Zitat
Sicherheitsoffensive der Wiener Linien

Die Wiener Linien setzen neue Maßstäbe bei der technischen Sicherheit ihrer Fahrzeuge und Betriebsanlagen. Ein „12-Punkte-Programm für mehr Sicherheit" wurde in den letzten Monaten erarbeitet und zum Teil auch bereits umgesetzt.

Die Fahrzeuge der Wiener Linien sind das mit Abstand sicherste Verkehrsmittel. Während im Vorjahr 27 Menschen bei Unfällen im Individualverkehr tödlich verunglückt sind, kam es im Rahmen des öffentlichen Verkehrs im gleichen Zeitraum zu keinem einzigen tödlichen Unfall - eine Tatsache, die dem hohen Niveau der Sicherheitsstandards bei den Wiener Linien geschuldet ist. Die Wahrscheinlichkeit, bei einer Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Wien zu verunglücken beträgt 1:1.000.000.000; damit sind die Wiener Linien auch sicherer als das vorgeblich sicherste aller Verkehrsmittel, das Flugzeug.

Um den Sicherheitsstandard auf diesem hohen Niveau zu halten, haben die Wiener Linien ein „12-Punkte-Programm" erarbeitet:

   1. Die bis 2019 geplante Umrüstung aller U-Bahn-Türen mit hochsensiblen, elektronischen Türsystemen wird beschleunigt und bereits 2016 abgeschlossen sein. Schon jetzt verfügen über ein Drittel aller U-Bahn-Türen über diese allerneueste Technologie.
   2. Alle Fahrerstände von Zügen, die im Tunnel unterwegs sind, werden bis 2016 mit Atemschutzgeräten ausgestattet sein. Dadurch ist gewährleistet, dass die Fahrerinnen und Fahrer im Fall einer Rauchentwicklung eingreifen, Rettungskräfte alarmieren und den Fahrgästen helfen können.
   3. Die Ausbildung des Personals der Wiener Linien wird weiterhin systematisch verbessert.
   4. Bei der kommenden Ausschreibung für eine neue Busflotte wird auf die bisherige behördliche Ausnahmegenehmigung verzichtet, wonach Weitwinkel-Spiegel für die Busse der Wiener Linien nicht zielführend sind. Die Busse einer neuen Busflotte werden also auch über Weitwinkelspiegel verfügen.
   5. Zwischen den turnusmäßigen Revisionen der Autobus-Bremsen wird es zusätzliche Überprüfungen geben. Dadurch soll eine ungleiche Bremswirkung der Achsen in Zukunft verhindert werden.
   6. Bei der Niederflurstraßenbahn ULF wurden Prüfungsintervalle verkürzt - das betrifft den routinemäßigen Austausch aller Hydraulik-Leitungen und -Schläuche, der von nun an alle vier Jahre erfolgen wird (bisher alle sechs Jahre). Ebenso wurde vor wenigen Wochen damit begonnen, bei den ULFs das bisherige Hydrauliköl mit einem Flammpunkt von 100°C gegen eines mit einem Flammpunkt von 230°C auszuwechseln.
   7. Die Systematik der Dienstaufsichten und Dienstaufträge bei den Wiener Linien wurde und wird überarbeitet und bei der zuständigen Behörde zur Genehmigung eingereicht. Damit werden die sicherheitstechnischen und betrieblichen Anordnungen für das eigene Personal klarer und präziser.
   8. Die Information der Fahrgäste zum Thema Sicherheit ist massiv ausgeweitet worden. Aushänge, verstärkte Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, neue Piktogramm und die Ausweitung von Gruppenschulungen unterstützen die Fahrgäste dabei, sich richtig und sicher zu verhalten.
   9. Die Aufsicht der Übernahme von Zügen und Bussen durch das Fahrpersonal wurde verschärft.
  10. Der angedachte Ausbau des Notstopps in den Stationsaufsichten wird nicht umgesetzt. Es wird davon Abstand genommen, hierbei die modernen U-Bahn-Systeme in Asien zu imitieren, die vermehrt auf Fernsteuerung setzen. Jede Stationsaufsicht wird somit auch weiterhin über einen Notstopp verfügen, um einen U-Bahn-Zug in der Station zum Anhalten bringen zu können.
  11. Die Durchsage zur Abfertigung der U-Bahn-Züge wurde von „Zug fährt ab!" auf die direkte Aufforderung an die Fahrgäste „Zurückbleiben, bitte!" umgestellt.
  12. Um den Brandschutz bestmöglich zu gewährleisten werden auch weiterhin kontinuierlich die entsprechenden Entwicklungen verfolgt, um für die Ausstattung von Zügen und Bussen stets so feuerresistentes Material wie möglich einzusetzen.

Quelle: http://www.wienerlinien.at/wl/ep/contentView.do/contentTypeId/1001/channelId/-26075/programId/9419/pageTypeId/9081/contentId/25620

Betrifft Punkt 2 eigentlich auch Straßenbahnen in der Ustrab?
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T1

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Re: Sicherheitsoffensive der Wiener Linien
« Antwort #1 am: 10. Februar 2011, 20:48:40 »
Betrifft Punkt 2 eigentlich auch Straßenbahnen in der Ustrab?

Die ULFe sind es mWn schon.

Ich frage mich aber, wieso das 5 Jahre dauert, überall eine Atemschutzmaske reinzustopfen. ???

13er

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Re: Sicherheitsoffensive der Wiener Linien
« Antwort #2 am: 10. Februar 2011, 20:51:37 »
Ich frage mich aber, wieso das 5 Jahre dauert, überall eine Atemschutzmaske reinzustopfen. ???
Vermutlich muss F59 noch einen Aufbewahrungsbehälter für den Gummizutz erfinden :D
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T1

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Re: Sicherheitsoffensive der Wiener Linien
« Antwort #3 am: 10. Februar 2011, 20:57:29 »
Ich frage mich aber, wieso das 5 Jahre dauert, überall eine Atemschutzmaske reinzustopfen. ???
Vermutlich muss F59 noch einen Aufbewahrungsbehälter für den Gummizutz erfinden :D

F59? ???

Außerdem gibt es ja den in den ULFen schon...

13er

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Re: Sicherheitsoffensive der Wiener Linien
« Antwort #4 am: 10. Februar 2011, 21:01:12 »
F59? ???
Die geheime Spezialtruppe der Entwicklungsabteilung. Sozusagen die "Area 51A"-Werkstatt in der HW ;)

Auch wenn die ULFe das schon haben, muss man's zumindest in die E2 einbauen (die E1 dürften in "bis 2016" wohl nicht mehr enthalten sein). Haben's die U-Bahnen schon alle?
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Linie 41

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Re: Sicherheitsoffensive der Wiener Linien
« Antwort #5 am: 10. Februar 2011, 23:47:08 »
Die geheime Spezialtruppe der Entwicklungsabteilung. Sozusagen die "Area 51A"-Werkstatt in der HW ;)
Wohl eher die MA2412 der Wiener Linien.
Ich verstehe das Konzept dahinter nicht und bin generell dagegen.

moszkva tér

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Re: Sicherheitsoffensive der Wiener Linien
« Antwort #6 am: 11. Februar 2011, 07:17:27 »
Die Wahrscheinlichkeit, bei einer Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Wien zu verunglücken beträgt 1:1.000.000.000; damit sind die Wiener Linien auch sicherer als das vorgeblich sicherste aller Verkehrsmittel, das Flugzeug.
Jaja, die Mär vom sichersten Verkehrsmittel. Es ist weitgehend bekannt, dass das Flugzeug nur nach Personenkilometern gerechnet die geringste Unglücksrate hat. Eh klar, man fliegt ja auch fünfmal so weit, als wie wenn man mit dem Zug verreist.
Nach Beförderungsfällen gerechnet, hat immer schon der öffentliche Stadtverkehr die Nase vorne gehabt.

   4. Bei der kommenden Ausschreibung für eine neue Busflotte wird auf die bisherige behördliche Ausnahmegenehmigung verzichtet, wonach Weitwinkel-Spiegel für die Busse der Wiener Linien nicht zielführend sind. Die Busse einer neuen Busflotte werden also auch über Weitwinkelspiegel verfügen.
Das macht irgendwie keinen schlanken Fuß... Man gibt also offen zu, dass man bisher auf erhöhte Sicherheit bewusst verzichtet hat, indem man sich eine Ausnahmegenehmigung ausstellen hat lassen.  ::)

95B

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Re: Sicherheitsoffensive der Wiener Linien
« Antwort #7 am: 11. Februar 2011, 08:59:53 »
Zitat
Es wird davon Abstand genommen, hierbei die modernen U-Bahn-Systeme in Asien zu imitieren, die vermehrt auf Fernsteuerung setzen.
Was ist denn das für ein Nonsens? :D
Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen!
... brrrr, Klumpert!

Linie 41

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Re: Sicherheitsoffensive der Wiener Linien
« Antwort #8 am: 11. Februar 2011, 10:47:59 »
Zitat
Es wird davon Abstand genommen, hierbei die modernen U-Bahn-Systeme in Asien zu imitieren, die vermehrt auf Fernsteuerung setzen.
Was ist denn das für ein Nonsens? :D

Ich dachte wir haben die beste LZB der Welt?

Jaja, die Mär vom sichersten Verkehrsmittel. Es ist weitgehend bekannt, dass das Flugzeug nur nach Personenkilometern gerechnet die geringste Unglücksrate hat.

Wenn man das mit dem Risiko gewichtet, bei einem Unfall zu sterben, dann ist das Flugzeug eh wieder ganz hinten. Bei einem Flugzeugabsturz ist die Überlebensrate halt ca. 0%, bei Auto- oder Zugunglücken wesentlich höher.
Ich verstehe das Konzept dahinter nicht und bin generell dagegen.

moszkva tér

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Re: Sicherheitsoffensive der Wiener Linien
« Antwort #9 am: 11. Februar 2011, 11:06:13 »
Jaja, die Mär vom sichersten Verkehrsmittel. Es ist weitgehend bekannt, dass das Flugzeug nur nach Personenkilometern gerechnet die geringste Unglücksrate hat.

Wenn man das mit dem Risiko gewichtet, bei einem Unfall zu sterben, dann ist das Flugzeug eh wieder ganz hinten. Bei einem Flugzeugabsturz ist die Überlebensrate halt ca. 0%, bei Auto- oder Zugunglücken wesentlich höher.
Ich habe ja, unglücklich ausdrückend, eigentlich von tödlichen Unfällen geschrieben.

Ach ja, hier interessante Zahlen aus Deutschland:
http://blog.verkehrsmittelvergleich.de/index.php/2009/10/28/das-sicherste-verkehrsmittel-flugzeug-bahn-oder-doch-pkw/
Zitat
... die Bahn auf 0,2 Unfalltote pro einer Milliarde gefahrenen Personenkilometer (MGP) kommt. Beim Flugzeug liegt der Wert bei 0,4 und beim PKW bei 6. Als das sicherste Verkehrsmittel gilt deshalb die Bahn. Übrigens liegt der MGP-Wert für Motorradfahrer bei 45, für Fußgänger bei 38 und für Fahrradfahrern bei 30.

Rechnet man allerdings nicht nach Personenkilometern, sondern nach Anzahl der zurückgelegten Fahrten, hätte glaube ich die Bahn noch viel deutlicher die Nase vorne.

13er

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Re: Sicherheitsoffensive der Wiener Linien
« Antwort #10 am: 11. Februar 2011, 11:08:19 »
Im Sambsbuch steht geschrieben, dass es in der gesamten Geschichte der Straßenbahn in Wien weniger Tote (egal aus welchen Gründen und ob verschuldet oder unverschuldet) gab als in vier Jahren im IV. Eine der wenigen Schätzungen, die ich den beiden Autoren abnehme.
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Linie 41

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Re: Sicherheitsoffensive der Wiener Linien
« Antwort #11 am: 11. Februar 2011, 11:09:57 »
Man müßte das eigentlich noch nach der Durchschnittsgeschwindigkeit gewichten, dann hat man nämlich die Anzahl tödlicher Unfälle gerechnet auf die Reisezeit – was mir irgendwie sinnvoller erscheint.
Ich verstehe das Konzept dahinter nicht und bin generell dagegen.

moszkva tér

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Re: Sicherheitsoffensive der Wiener Linien
« Antwort #12 am: 11. Februar 2011, 11:17:20 »
Man müßte das eigentlich noch nach der Durchschnittsgeschwindigkeit gewichten, dann hat man nämlich die Anzahl tödlicher Unfälle gerechnet auf die Reisezeit – was mir irgendwie sinnvoller erscheint.
Gewichten nach der reinen Zahl der Reisevorgänge würde ich auch interessant finden. Beim Flugzeug ist das größte Risiko eines Unfalles der Start und die Landung. *

Unfälle während des Fluges sind äußerst selten (kommen allerdings auch vor). Falls übrigens ein Flugzeugunfall kein Absturz ist, sondern eine überharte Landung, gibt es sehr wohl eine gute Chance, diese zu überleben.
Dann wäre auch interessant, ob die Statistik über die Toten in der Luftfahrt die gewerbliche und private Luftfahrt auseinanderhält.

Ergänzung:
* das bedeutet, vereinfacht gesprochen, dass das Unglücksrisiko auf einem Flug Wien-New York genauso hoch ist wie auf einem Flug Wien-Graz, da bei beiden Flügen nur je ein Start und eine Landung involviert sind.
Während beim Auto, sehr simpel formuliert, eine doppelt lange Strecke ein doppelt so hohes Risiko beinhaltet.

moszkva tér

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Re: Sicherheitsoffensive der Wiener Linien
« Antwort #13 am: 11. Februar 2011, 11:31:56 »
Verzeihung wegen Doppelposting, aber mir ist noch eine weitere Statistische Finte eingefallen:

Dass im Betrieb der Wiener Linien 2010 keine Todesfälle zu beklagen waren, stimmt auch nur bedingt. Man müsste die Selbstmörder in der U-Bahn ebenfalls berücksichtigen. Klarerweise werden die in der amtlichen Statistik nicht als Verkehrstote, sondern eben als Suizid geführt. Aber man muss bedenken, dass diese Selbstmörder ebenfalls Fahrgäste der Wiener Linien waren, die sie durchs Durchschreiten der Bahnsteigsperre ja geworden sind, unabhängig davon, ob sie vorher noch einen Fahrschein gelöst haben, oder nicht. Ob ein Selbstmörder ohne Zeitkarte noch daran denkt, einen Fahrschein zu kaufen, weiß ich allerdings nicht.

Übrigens, analog zum Flugzeug, auch bei den Wiener Linien sind ein guter Teil der Unfälle bei Beginn und Ende der Fahrt zu beklagen: Einklemmen und Mitgeschleift werden betrifft i.d.R. nur zu- und aussteigende Fahrgäste.

haidi

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Re: Sicherheitsoffensive der Wiener Linien
« Antwort #14 am: 11. Februar 2011, 11:54:37 »
Zitat
Es wird davon Abstand genommen, hierbei die modernen U-Bahn-Systeme in Asien zu imitieren, die vermehrt auf Fernsteuerung setzen.
Was ist denn das für ein Nonsens? :D

Ich vermute:
Bahnsteigtüren, zentrale Bahnsteigaufsicht (wenn überhaupt noch notwendig), kein Fahrsicherheitspersonal in den einzelnen Haltestellen, maximal Security...

Hannes
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging