Autor Thema: Beschleunigung? za wos brauch ma des?  (Gelesen 99526 mal)

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haidi

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Re: Beschleunigung? za wos brauch ma des?
« Antwort #330 am: 05. Juni 2019, 19:33:06 »
Manche Linien sind abschnittweise zu den Stoßzeiten jetzt schon an der Kapazitätsgrenze. Mit einer - erzwungenen - wesentlichen Reduktion des MIV brächen Teile des Öffentlichen Verkehrs in Wien mit den derzeitigen Intervallen ziemlich häufig zusammen!
Wenn es eine Reduktion des MIV ist und nicht ein Wechsel von der Benutzung des eigenen Autos zur Benutzung eines Car-Sharing-Fahrzeuges, dann nicht. In diesem Fall erhöht sich bei Fahrplananpassung die Kapazität der Oberflächenlinien automatisch ohne mehr Fahrzeuge oder Personal einzusetzen
Alle sagten es geht nicht - dann kam einer, der das nicht wusste und probierte es - und es ging

Tatra83

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Re: Beschleunigung? za wos brauch ma des?
« Antwort #331 am: 05. Juni 2019, 19:37:14 »
Es darf m.E. als Fakt betrachtet werden, dass niemand in der Tintenburg ein ernsthaftes Interesse an einer wirksamen ÖV-Bevorrangung bzw. Beschleunigung bei der Straßenbahn hat, wo im Ergebnis mit gleichem Personal- und Fahrzeugeinsatz mehr Menschen transportiert werden. Damit das so bleibt, hat man die dafür notwendigen Maßnahmenbündel auf so viele verschiedene Verwaltungseinheiten verteilt, sodass da nie irgendwas Sinnvolles rauskommen kann.
Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. (Karl Lagerfeld)

T1

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Re: Beschleunigung? za wos brauch ma des?
« Antwort #332 am: 05. Juni 2019, 19:41:51 »
Leider. Aber schau ma mal, angeblich kommt ein neuer KV ohne Rolldienstzulage, das wäre ja einmal ein Beginn...

T1

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Re: Beschleunigung? za wos brauch ma des?
« Antwort #333 am: 05. Juni 2019, 19:44:12 »
Ich will ja nicht sagen, dass dies eine optimale Lösung ist. Ich bin aber froh über jeden Meter, wo die ÖV vom MIV getrennt und somit beschleunigt wird. Und die Zeiten, wo man so einfach mal 2-3 Kilometer abmarkiert habe und somit Raum für den ÖV geschaffen hat, sind nun mal vorbei.
Es wird Zeit, dass in Wien endlich eine zeitgemäße Verkehrspolitik Einzug hält. In Paris hat man ganze Hauptverkehrsachsen (am Seine-Ufer) in Fußgängerzonen umgewandelt und die Stadt ist nicht zusammengebrochen.  ::)
Die (absolute) Zahl der Autos in Wien nimmt nach wie vor zu - das ist absurd in einer Zeit von Carsharing und immer deutlicher werdender Klimakrise. :bh:
Hier gehört politisch radikal gegengesteuert.

Was das Paris gebracht hat, sah man beim Brand von Notre Dame. Die Straßen waren so hoffnungslos verstopft, das auch die Feuerwehr im Stau stand.
Ja, man kann nur hoffen, dass es in Wien nie so weit kommt. Gut, dass wir einen Verkehrsbetrieb haben, der gegen den öffentlichen Verkehr kämpft.

Rodauner

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Re: Beschleunigung? za wos brauch ma des?
« Antwort #334 am: 05. Juni 2019, 21:55:02 »
Weiters (und am wesentlichsten): Eine Stadtregierung, die massive Einschränkungen des MIV beschließt, ist bei den nächsten Wahlen weg. Und die bis dahin vielleicht umgesetzten Maßnahmen nicht einmal ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Und nein, eine Änderung der Betriebsführung durch Beschleunigung wäre kein Nullsummenspiel: Anstieg der Erhaltungskosten fahrzeug- und infrastrukturseitig aufgrund höherer Kilometerleistung sowie mehr Energieverbrauch!

Also: Vergesst es; warmer Eislutscher.

Man muss in dieser Stadt mit einer neuen Busspur für den 15A zufrieden sein, da ist der Klingelfee ausnahmsweise mal Recht zu geben ???.
Du sollst hinter der gelben Linie bleiben, Wappler!

T1

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Re: Beschleunigung? za wos brauch ma des?
« Antwort #335 am: 05. Juni 2019, 22:58:34 »
Und nein, eine Änderung der Betriebsführung durch Beschleunigung wäre kein Nullsummenspiel: Anstieg der Erhaltungskosten fahrzeug- und infrastrukturseitig aufgrund höherer Kilometerleistung sowie mehr Energieverbrauch!
Kilometerabhängige Erhaltungskosten sowie Energiekosten steigen so oder so, wenn man zusätzliche Kapazitäten bereitstellt. Der Schmäh ist, dass man durch effizientere Betriebsführung vermeiden kann, dass weitere kilometerabhängige Betriebskosten steigen – wie Personalkosten – oder zusätzliche fahrzeugabhängige Kosten (wie Kosten für Fahrzeugbeschaffung/-bereithaltung, Reinigungskosten) entstehen.

Aber das muss man auch verstehen wollen. Wenn man hingegen Probleme suchen oder alles madig machen will, dann ist das natürlich zum Vergessen. Dann sollte man auch gegen die Busspur am 15A sein, weil das ist ja eine Einschränkung des MIV, und da werden wir noch sehen, was wir davon haben, wenn der Stephansdom brennen sollte…

Rodauner

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Re: Beschleunigung? za wos brauch ma des?
« Antwort #336 am: 06. Juni 2019, 01:35:38 »
Hast du, Obermeister T1, auch eine ähnlich einfache Lösung für das, was ich im ersten Absatz geschrieben habe? Sonst wären deine weiteren Ausführungen nämlich ziemlich sinnlos.

Und ich nehme zur Kenntnis, dass eine nicht vorhandene Busspur in der Raxstraße im Falle des Falles den Stephansdom retten würde... ::) Am besten, du verlangst auch gleich den Rückbau derselben in der Burggasse sowie das Ende der Fuzo in der inneren Mahü, dafür käme dort wieder die Bim! 8)
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abc

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Re: Beschleunigung? za wos brauch ma des?
« Antwort #337 am: 06. Juni 2019, 08:15:53 »
Und nein, eine Änderung der Betriebsführung durch Beschleunigung wäre kein Nullsummenspiel: Anstieg der Erhaltungskosten fahrzeug- und infrastrukturseitig aufgrund höherer Kilometerleistung sowie mehr Energieverbrauch!

Hast Du mal über die Bedeutung des Wortes "Nullsummenspiel" nachgedacht? Kleiner Tipp: es heißt nicht, Geld zu sparen, sondern Ressourcen sinnvoller einzusetzen.

Den höheren Erhaltungs- und Energiekosten steht entweder - bei gleicher Fahrgastzahl - ein geringerer Fahrzeug- und damit Fahrerbedarf oder bei höherer Fahrgastzahl (= mehr Einnahmen) ein bestenfalls gleichbleibender Fahrzeug- und Personalbedarf bei größerer Kapazität gegenüber.

Und das ist nur die naturgemäß engstirnige betriebswirtschaftliche (und ausschließlich auf die Wiener Linien reduzierte) Betrachtungsweise. Ein deutlich reduzierter Autoverkehr würde ja auch anderswo Kosten sparen, z.B. bei Wirtschaftsverkehr, der dann schneller vorankommt; weniger Unfällen samt Folgekosten; bestenfalls weniger versiegelten Flächen; und bei vielen Dingen, die monetär schlecht erfassbar sind. Denn auch der überzeugteste Autofahrer möchte seltsamerweise nicht neben der Tangente wohnen.

schaffnerlos

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Re: Beschleunigung? za wos brauch ma des?
« Antwort #338 am: 06. Juni 2019, 09:26:48 »
Weiters (und am wesentlichsten): Eine Stadtregierung, die massive Einschränkungen des MIV beschließt, ist bei den nächsten Wahlen weg.

Auch wenn das heilge Blechle ein sehr emotionales Thema ist: Das glaube ich nicht. Erstens besitzen mehr als die Hälfte der Haushalte gar kein Auto und zweitens geht ein guter des Verkehrs gar nicht auf das Konto von Wiener Privat-PKWs. Es ist mehr Stimmungsmache von gewissen Parteien und Medien als Realität, denn beispielsweise die BeZo Mahü und Rothenturmstraße werden mehrheitlich positiv aufgenommen.

Rodauner

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Re: Beschleunigung? za wos brauch ma des?
« Antwort #339 am: 06. Juni 2019, 10:05:31 »
Ein deutlich reduzierter Autoverkehr würde ja auch anderswo Kosten sparen, z.B. bei Wirtschaftsverkehr, der dann schneller vorankommt; weniger Unfällen samt Folgekosten; bestenfalls weniger versiegelten Flächen; und bei vielen Dingen, die monetär schlecht erfassbar sind.

Und würde auch die entsprechenden Einnahmen reduzieren. Und so wie die Stadt finanziell derzeit dasteht, kann und will sie darauf nicht verzichten.

Auch wenn das heilge Blechle ein sehr emotionales Thema ist: Das glaube ich nicht. Erstens besitzen mehr als die Hälfte der Haushalte gar kein Auto und zweitens geht ein guter des Verkehrs gar nicht auf das Konto von Wiener Privat-PKWs. Es ist mehr Stimmungsmache von gewissen Parteien und Medien als Realität,...

Stimmungsmache ist nun mal das A und O in der Politik! Die Roten werden im derzeitigen politischen Klima froh sein müssen, wenn sie 2020 ihren jetzigen Prozentanteil halten können. Die Grünen werden ihr Schattendasein fortsetzen und weiterhin einen übermächtigen Koalitionspartner haben. Von anderen Parteien werden niemals Ambitionen in diese Richtung zu erwarten sein.

Um zu erreichen, wovon ihr alle hier träumt, müsstet ihr Österreich radikal unpolen. Wie wollt ihr denn das Ego aus all den eingefleischten Autofahrern rauskriegen? Nochmals: Wir reden hier von reiner Utopie, weil das Volk derart radikale Maßnahmen nicht will und das an der Urne auch artikulieren wird!
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coolharry

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Re: Beschleunigung? za wos brauch ma des?
« Antwort #340 am: 06. Juni 2019, 10:41:54 »
Um zu erreichen, wovon ihr alle hier träumt, müsstet ihr Österreich radikal unpolen. Wie wollt ihr denn das Ego aus all den eingefleischten Autofahrern rauskriegen? Nochmals: Wir reden hier von reiner Utopie, weil das Volk derart radikale Maßnahmen nicht will und das an der Urne auch artikulieren wird!

Liegt wohl hauptsächlich daran, dass zwar einem dann das Autofahren mehr oder weniger verboten wird aber der Bus, die Straßenbahn oder U-Bahn immer noch heillos überfüllt, unpünktlich und ungeputzt ist wie  jetzt auch. Weiters komm ich nicht dort hin wo ich hin will und für die Fahrten mit diesen super Mietmodellen musst dich schon fast mit einem Foto deiner Unterhose anmelden. Und wirklich billiger sind sie eben nicht. Der Verwandtenbesuch abseits einer Bahnstation ist dann meist entweder sau teuer oder man braucht für eine Strecke von wenigen hundert Kilometer fast den ganzen Tag. Das alles am besten noch mit Gepäck und Kindern. Da ist das Auto doch wesentlich bequemer und einfacher. Man will halt nicht jeden Ausflug durchplanen wie eine Urlaubsreise. Was widerrum dazu führen würde das die Menschen mehr fliegen. Wenn eine Urlaubsreise ins Mühlvietrel einen höheren Planungsaufwand erfordert als eine Pauschalreise in die Türkei kannst dir ausrechnen was die Leute eher machen.

Und rein auf Wien bezogen wird sich da nicht so dermassen viel ändern. Durchs Parkpickerl wurde schon viel erreicht. Und der Rest würde nur aufs Auto verzichten wenn er schlicht nicht mehr mit dem Auto zu seinem Arbeitsplatz kommen würde. Dazu wären Fahrverbote notwendig die dann auch politisch nicht mehr Argumentierbar sind. Schließlich wäre das Verbot des privaten PKW besitz wohl die radikalste Maßnahme und wohl auch die mit dem größten nutzen. Aber das kannst dann wirtschaftlich auch nicht mehr vertreten. Schließlich hängen da auch Jobs dran. Und das gar nichtmal so wenige.

Muss halt die richtige Mischung zwischen Verkehrsvergrämungsmaßnahmen und freie Fahrt finden. Das aber auf die Busspur auf der Raxstraße runter zu brechen ist zuviel. Da dieses Ministückerl nur deswegen so kurz ist, weil die Stadt für mehr kein Geld hat. Selbst wenn man nur eine Fahrspur als Busspur markiert zieht das Kosten nach sich. Von der Ampelsteuerung bis hin zu geänderten Abbiegespuren. Und Geld hat die Stadt keines. Das steckt alles in ihren Erweiterungsgebieten. Und nun stelle man sich mal die Summe vor, die man für eine Straßenbahn ausgeben müsste, die eigentlich 1 zu 1 nur den Bus ersetzen täte. Vorallem wie argumentiert man das für den 0815 Fahrgast?
Das Glück ist ein Vogerl. Wenns knallt ist es weg.

haidi

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Re: Beschleunigung? za wos brauch ma des?
« Antwort #341 am: 06. Juni 2019, 10:53:17 »
Weiters (und am wesentlichsten): Eine Stadtregierung, die massive Einschränkungen des MIV beschließt, ist bei den nächsten Wahlen weg. Und die bis dahin vielleicht umgesetzten Maßnahmen nicht einmal ein Tropfen auf dem heißen Stein.
WEnn man die Maßnahmen im ersten Jahr voll durchzieht,dann hat sich die Aufregung bald wieder gelegt und in 4 Jahren kommen die Leut drauf, dass das eh ganz gut ist. Ich denke nicht, dass diese Regierung dann weg ist. Wenn man im letzten Jahr anfängt, dann ist es klar.
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schaffnerlos

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Re: Beschleunigung? za wos brauch ma des?
« Antwort #342 am: 06. Juni 2019, 11:15:16 »
Zu diesem Thema gibt es im KURIER einen Artikel:
"Privaten Autobesitz wird es 2030 nicht mehr geben"

abc

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Re: Beschleunigung? za wos brauch ma des?
« Antwort #343 am: 06. Juni 2019, 11:28:46 »
Um zu erreichen, wovon ihr alle hier träumt, müsstet ihr Österreich radikal unpolen. Wie wollt ihr denn das Ego aus all den eingefleischten Autofahrern rauskriegen? Nochmals: Wir reden hier von reiner Utopie, weil das Volk derart radikale Maßnahmen nicht will und das an der Urne auch artikulieren wird!

Selbst im Autoland Deutschland sind die Grünen inzwischen in Umfragen stärkste Kraft. Und auch in Österreich wird die Zeit einiges erledigen: ein nicht unerheblicher Teil der ÖVP-Wähler wird in den nächsten 10-20 Jahren das Zeitliche segnen, und auch in Österreich sind die Grünen bei den U30 überdurchschnittlich stark, sogar auf dem ersten Platz bei der Europawahl (und in Wien sowieso stärker als im Rest des Landes). Mittelfristig werden sich also entweder die anderen Parteien den Grünen anpassen oder die Grünen stärker (und sich natürlich die Thematik Umwelt- und Klimaschutz etwas abnutzen).

Ansonsten frage ich mich, wen solche Maßnahmen stärker aufregen: den Pendler, der total gern im Grünen wohnt, aber kein Problem damit hat, dem städtischen Pöbel seine Abgase ins Gesicht zu pusten - oder die Wiener selbst. Ich tendiere zu ersterem - und denke, dass es den Wiener Politikern recht wurscht sein kann (und ist), wenn sich die Pendler aufregen. Die wählen sie nämlich nicht.

* https://orf.at/stories/3124666/

Klingelfee

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Re: Beschleunigung? za wos brauch ma des?
« Antwort #344 am: 06. Juni 2019, 11:38:59 »
Weiters (und am wesentlichsten): Eine Stadtregierung, die massive Einschränkungen des MIV beschließt, ist bei den nächsten Wahlen weg. Und die bis dahin vielleicht umgesetzten Maßnahmen nicht einmal ein Tropfen auf dem heißen Stein.
WEnn man die Maßnahmen im ersten Jahr voll durchzieht,dann hat sich die Aufregung bald wieder gelegt und in 4 Jahren kommen die Leut drauf, dass das eh ganz gut ist. Ich denke nicht, dass diese Regierung dann weg ist. Wenn man im letzten Jahr anfängt, dann ist es klar.

Ist halt nur die Frage, ob sie die 4 Jahre dann durchhält. Und was dazu kommt, du musst auch an die Nationalratswahlen denken. Denn wenn die Partei X in Wien restriktive Verkehrsmaßnahmen setzt, dass wirkt sich das sicherlich auch auf die Nationalratswahlen aus.
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